Wiener Musik-Uni: Vizerektorin tritt nach Rektorswahl zurück

8. April 2015, 11:31
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Ulrike Sych hätte nach der Vorstellung des Senats Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst werden sollen, der Uni-Rat hat trotzdem Regula Rapp gewählt

Wien - Die Bestellung von Regula Rapp zur Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (MDW) hat zu einem Konflikt innerhalb der Hochschule geführt. Vizerektorin Ulrike Sych ist von ihrem Amt zurückgetreten. In einem E-Mail an alle Mitarbeiter, das derStandard.at vorliegt, erklärt sie: "Wegen Umständen im Rektorat, die für mich nicht mehr zumutbar sind, habe ich mit heutigem Datum meine Funktion als Vizerektorin niedergelegt."

Sych, derzeit Vizerektorin für zentrale Ressourcen hätte, wenn es nach dem Uni-Senat gegangen wäre, Rektorin werden sollen. Der Universitätsrat hat diesen Vorschlag nicht beachtet und Rapp, die bisher die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart leitete, zur Rektorin gewählt.

"Wir sehen das als Affront", sagt die stellvertretende Senatsvorsitzende Ursula Hemetek im Gespräch mit derStandard.at. "Wir werden das nicht auf uns sitzen lassen." Am Freitag will der Senat in einer Sitzung darüber beraten, wie gegen die Entscheidung des Uni-Rats vorgegangen werden soll.

Ratsvorsitzende: "Gesetz sieht vor, dass wir auswählen"

Sych habe viel Rückhalt im Haus, sagt Hemetek. "Als Vizerektorin für Lehre hat sie unglaublich viel bewegt." Es sei unverständlich, dass der Uni-Rat nicht der Empfehlung des Senats nachgekommen sei. Immerhin sei der Senat demokratisch gewählt. "Wir sind nicht gegen Rapp, aber Sych ist einfach unglaublich gut." Vor allem für die Verhandlungen über das kommende Uni-Budget sei es wichtig, eine Rektorin zu haben, die mit dem Haus und der Gesetzeslage in Österreich vertraut sei.

Haide Tenner-Russ, Vorsitzende des Uni-Rats, kann die Irritation des Senats nicht nachvollziehen. "Das Gesetz sieht vor, dass wir aus dem Vorschlag des Senats wählen, und das haben wir getan", sagt sie im Gespräch mit derStandard.at.

Sych von Kommission und Senat auf Platz eins gereiht

Wenn ein neuer Rektor oder eine neue Rektorin gewählt wird, erarbeite der Senat gemeinsam mit dem Universitätsrat in einer Findungskommission einen Vorschlag mit drei Kandidaten, die für das Amt infrage kommen. Dieser Dreiervorschlag wird dem Senat vorgelegt, in dem Vertreter der Professoren, der Dozenten, des allgemeinen Uni-Personals und der Studierenden sitzen. Dieser erstellt dann einen weiteren Dreiervorschlag.

Im Fall der MDW hat sich der Senat an den Vorschlag der Findungskommission gehalten und laut Hemetek folgende Reihung vorgenommen: Auf dem ersten Platz stand Vizerektorin Sych. Die beiden anderen Kandidaten, Regula Rapp und der Präsident der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, Elmar Lampson, wurden auf den dritten Platz gesetzt. "Wir wollten eine eindeutige Reihung vornehmen", sagt Hemetek. An diese muss sich der Uni-Rat, eine Art Aufsichtsgremium der Universität, aber nicht halten und hat das auch nicht getan.

"War wohl eine emotionale Entscheidung"

"Wir haben uns für Rapp entschieden, weil sie internationale Erfahrungen in der Leitung eines größeren Hauses hat", sagt Uni-Rats-Vorsitzende Tenner-Russ. Rapp vereine als Musikwissenschaftlerin, Musikerin und ehemalige Leiterin von zwei Hochschulen alle Anforderungen, die für die Leitung nötig seien.

Sie könne nachvollziehen, dass einige Gruppen im Haus lieber Sych als Rektorin gesehen hätten, da sie im Haus bekannt sei. "Wir als Uni-Rat haben aber laut Gesetz die Verantwortung für die Rektorswahl." Es tue ihr sehr leid, dass Sych als Vizerektorin zurückgetreten ist. "Ich bedaure das, das war wohl eine sehr emotionale Entscheidung."

Rechtlich dürfte die Sache klar sein. Wie das Wissenschaftsministerium auf Anfrage bestätigt, ist die Vorgangsweise des Uni-Rates der Wiener Musik-Uni korrekt. Die Reihung des Dreiervorschlag des Senats ist nicht bindend, da der Uni-Rat dann keine Wahl mehr hätte, sondern den Rektor nur bestellen könnte. "In diesem Fall wäre es sinnwidrig, dass der Vorschlag des Senats mehr als eine Person umfasst", heißt es aus dem Ministerium. (Lisa Kogelnik, derStandard.at, 8.4.2015)

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