Video bringt US-Polizist unter Mordverdacht

8. April 2015, 17:38
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In South Carolina hat ein weißer Polizist einen Schwarzen erschossen, weil er um sein Leben gefürchtet haben soll. Ein Handyvideo bestärkt aber Zweifel an dieser Version. Der Beamte steht unter Mordverdacht

Es ist ein erschütterndes Video. Leicht verwackelt, aufgenommen vom Handy eines Passanten, zeigt es, wie der 50-jährige Afroamerikaner Walter L. Scott vor einem weißen Polizisten namens Michael Slager flieht. Und ein paar Sekunden danach, getroffen von fünf Kugeln, reglos im Gras liegt.

Schauplatz ist ein kleiner Park in North Charleston, einer Hunderttausend-Einwohner-Stadt in South Carolina. Der Mitschnitt beginnt in dem Moment, als sich Scott, allem Anschein nach unbewaffnet, nach einer kurzen Rauferei von Slager losreißt. Etwas fällt zu Boden, offenbar ein Taser, die Elektroschockpistole des Polizisten. Scott läuft langsam davon, worauf Slager seine Dienstpistole zieht und auf seinen Rücken zielt. Insgesamt acht Mal feuert er, mindestens ein Schuss trifft Scotts Herz. Der Fliehende strauchelt, stürzt ins Gras, wo Slager ihn anherrscht, gefälligst die Hände auf den Rücken zu nehmen.

Keine Erste Hilfe

Als Nächstes legt der Polizist seinem Opfer Handschellen an, läuft zurück zu der Stelle, an der es zum Handgemenge kam, hebt etwas auf und legt es neben den leblosen Körper. Wahrscheinlich handelt es sich um den Taser, auch das ist nicht eindeutig zu identifizieren. Statt Erste Hilfe zu leisten, begnügt sich der Officer damit, Scott nach einer Weile den Puls zu fühlen.

Später wird Slager zu Protokoll geben, Scott habe versucht, ihm seine Elektroschockpistole zu entreißen. Er habe Angst um sein Leben gehabt. "Schüsse abgegeben, Person liegt am Boden. Hat meinen Taser genommen", hatte er unmittelbar nach der Tat über Sprechfunk an seine Zentrale gemeldet. Erst als Tage später das Video auftauchte, wurde Slagers Version bezweifelt. In einer Wendung, die sich anfangs kaum einer vorstellen konnte, soll er nun wegen Mordverdachts vor Gericht gestellt werden. Im Extremfall droht ihm die Todesstrafe. "Wenn du eine falsche Entscheidung triffst, interessiert mich nicht, ob du hinter dem (Polizei-)Schild stehst. Du wirst mit deiner Entscheidung leben müssen", kommentiert Keith Summey, der Bürgermeister North Charlestons.

Wegen Rücklichts angehalten

Begonnen hatte es am Ostersamstag, morgens gegen halb zehn, mit einer Routinekontrolle. Unterwegs in einem grauen Mercedes älteren Baujahrs, wurde Scott wegen eines kaputten Rücklichts angehalten. Auf die Frage, warum er davonlief, gab es bis Mittwoch noch keine schlüssigen Antworten.

Zweifellos lässt der Fall gewisse Parallelen zu Ferguson erkennen, wo im vergangenen August der schwarze Teenager Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Aber eben nur gewisse. Während sich Darren Wilson in Ferguson von dem Hünen Brown offenbar tatsächlich bedroht fühlte, lässt auf den Aufnahmen aus South Carolina wenig auf eine lebensgefährliche Bedrohung schließen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 9.4.2015)

  • Ein Video zeigt den Vorfall.
    foto: reuters/handout

    Ein Video zeigt den Vorfall.

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