In Mumiengruft entdeckte TBC-Erreger gehen auf spätrömische Zeit zurück

7. April 2015, 18:53
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Leichen aus einer 1994 entdeckten Kammer in Ungarn ermöglicht neue Erkenntnisse über Tuberkulose

Paris/Budapest - Vor rund 20 Jahren stießen Arbeiter in einer Dominikaner-Kirche in Vac nahe Budapest zufällig auf einen zugemauerten Raum mit den sterblichen Überreste von 265 Menschen, die dort zwischen 1731 und 1838 in Särgen beigesetzt worden waren. Die extreme Trockenheit in der Gruft sorgte dafür, dass die Leichen natürlich mumifiziert wurden. Aber nicht nur die sterblichen Hüllen der Toten blieben teilweise verblüffend gut erhalten, auch die Erreger der Krankheiten an denen die Menschen damals litten, können noch heute nachgewiesen werden.

Wertvoll ist der Fund auch deswegen, weil es detaillierte Aufzeichnungen zu den Toten gibt, die etwa ihren Namen und den Todestag enthalten. Nun haben Wissenschafter in den Mumien aus dem 18. und 19. Jahrhundert Bakterien gleich mehrerer Tuberkulose-Stämme nachweisen. Laut der im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichten Studie trug einer der Toten sogar drei verschiedene Erregertypen in sich. Heute wird bei Patienten üblicherweise nur ein Erregerstamm nachgewiesen.

Die Wissenschafter konnten bei TBC-Erregern, die bei acht Mumien entdeckte wurden, DNA-Analyse durchführen. "Fünf der acht Körper unserer Studie hatten mehr als einen Tuberkulose-Typen", erklärte Studienleiter Mark Pallen von der britischen Warwick-Universität. "Bemerkenswert ist, dass wir bei einem sogar den Beweis für drei verschiedene Stämme erzielten."

TBC-Erreger aus spätrömischer Zeit

Alle Erreger hatten genetische Merkmale eines Lineage 4 genannten Erregerstammes, der auf die Zeit des spätrömischen Reiches zurückgeht und heute noch für jährlich mehr als eine Million Infektionen in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent verantwortlich ist. Dies zeige die genetische "Kontinuität" des Erregers, der schon in prähistorischer Zeit "im Herzen Europas gewütet" habe, sagte Pallen. (APA/red, derStandard.at, 7.4.2015)

  • Unter den seit 150 Jahren vergessenen Leichen fanden sich auch einige Kinder - und gleich mehrere Tuberkulose-Stämme, die alle auf einen Vorfahren aus der spätrömischen Zeit zurückgehen.
    foto: ap photo/adam lau

    Unter den seit 150 Jahren vergessenen Leichen fanden sich auch einige Kinder - und gleich mehrere Tuberkulose-Stämme, die alle auf einen Vorfahren aus der spätrömischen Zeit zurückgehen.

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