Best of Hypo: Wo die Milliarden hinflossen

7. April 2015, 18:03
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Von der Hypo bekam jeder Geld. Die exzessive Kreditvergabe gilt als Hauptursache für das Milliardendebakel

Viel wurde untersucht, geredet und geschrieben über die Versäumnisse bei der Hypo Alpe Adria. Politiker und Aufseher stehen meist im Rampenlicht, wenn es um die Suche nach den Schuldigen für das in die Gegend von zehn Milliarden Euro wachsende Finanzloch der Kärntner Bank geht. Weniger im öffentlichen Fokus steht hingegen, wie und wo die Gelder verpufft sind. Zum Beginn des Hypo-Untersuchungsausschusses startet der STANDARD daher eine Serie, in der haarige Kreditfälle aufgezeigt werden und deren Gewährung thematisiert wird.

Es geht um Darlehen mit und ohne kriminelle Energie, um spektakuläre Fälle wie Kredite an Waffenhändler auf dem Balkan, aber auch um scheinbar biedere wie ein Tiroler Sägeunternehmen oder eine steirische Therme. Allen Geschäften ist gemein: Die Hypo scherte sich wenig um Bonität der Kunden, Tilgungen und um Sicherheiten. Wann immer Projektwerber bei anderen Geldgebern wegen zu hohen Risikos abgeblitzt waren - bei der Kärntner Bank bekamen sie immer Bares.

Hypo-Spielgeld

Wie das sein konnte? Es war wohl eine Mischung aus Jörg Haiders Ambitionen, ein Kärntner Gegengewicht zum Wiener Finanzplatz aufzubauen, und aus den wie geschmiert laufenden Refinanzierungen: Die konnte die Hypo dank Landeshaftung jederzeit, in beliebiger Höhe und zu günstigen Konditionen auftreiben. Gepaart mit einem expansionswütigen Management und einer halbblinden Aufsicht, begann das Abenteuer, als dessen Ergebnis heute 18 Milliarden Euro an faulen Krediten in der Hypo-Abbaueinheit Heta lagern.

grafik: apa

Dass unter Bankchef Wolfgang Kulterer, unter dem die Expansion Fahrt aufnahm, Darlehen wie Spielgeld vergeben wurden, lässt sich anhand der Ermittlungsberichte gut nachzeichnen. Für mehrere Fälle interessiert sich die Justiz - meist infolge von Anzeigen der Aufdeckertruppe CSI Hypo. In anderen Causen geht die Exbank zivilrechtlich gegen Kreditnehmer und andere Geschäftspartner vor. Eines ist klar: Vom eingetretenen Schaden wird die Republik als Alleineigentümerin der Heta nur einen vergleichsweise kleinen Teil eintreiben.

Der größte Flop im Hypo-Kreditportfolio, die Ferienanlage Rezidencija Skiper, soll schon bald am Landesgericht Klagenfurt aufgearbeitet werden. Von 258 Millionen Euro Kredit gingen 160 Millionen Euro bei dem Projekt auf der kroatischen Halbinsel Savudrija samt Feriendorf, Fünfsternehotel, Golfplatz und Heliport verloren. Die Staatsanwaltschaft hat neben Kulterer Exvorstand Günter Striedinger und den Investor Miro Oblak - nicht rechtskräftig - angeklagt. Alle Genannten weisen die Vorwürfe zurück, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Auch andere Hotelprojekte wie die beiden Falkensteiner-Anlagen Borik und Punta Skala lasten schwer auf den Heta-Büchern. Im Unterschied zu Skiper wird bei Falkensteiner nicht ermittelt. Auffälligkeiten fanden die Forensiker mehrmals, beispielsweise jene aus einem CSI-Bericht: "Es besteht der Verdacht, dass im Projekt Punta Skala wie auch in anderen Projekten mit der Gruppe Falkensteiner (Borik, Hotel Novi) jegliches Risiko auf die Bank verlagert wurde, während der Kreditnehmer praktisch keine Eigenmittel einbrachte, dafür aber erhebliche Überfinanzierungen erhielt. Zugleich wurden mittels überhöhter Gebühren und Kosten seitens Falkensteiner ständig Gelder aus der Projektgesellschaft gezogen." Die Hinweise seien aber "nicht hinreichend", weshalb man die Untersuchungen einstellte. In Punta Skala versenkte die Hypo gut 72 Millionen, bei Borik weitere knapp 44 Millionen Euro. Allein die zehn größten Flops bescherten der Bank Ausfälle in Höhe von 700 Millionen Euro (siehe Tabelle oben).

Ebenfalls aus strafrechtlicher Sicht sauber verlief ein Geschäft mit dem Investor Ronny Pecik bzw. dessen Victory Industriebeteiligung AG. Dieser verkaufte die Gesellschaft samt Hypo-Verbindlichkeiten nach China, die Bank versucht bisher vergeblich, offene Rechnungen von 37 Millionen Euro einzutreiben. Durch die Finger geschaut hat das Geldinstitut auch beim prominenten Gesundheitsökonomen und Langzeitkunden Christian Köck. Bei der Insolvenz seiner Kappa Thermenbeteiligung (Bad Gleichenberg) mit Passiva von 55 Millionen Euro war die Bank Hauptgläubigerin. Derartige Fälle sollen in den nächsten Wochen ausführlicher beschrieben werden. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 8.4.2015)

Die Serie basiert auf den Recherchen zum von den Autoren verfassten Buch "Akte Hypo Alpe Adria".

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