IS-Jihadisten überrennen Palästinenser-Lager in Damaskus

7. April 2015, 17:05
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Viele Bewohner Yarmuks geflohen - Wasser und Lebensmittel knapp

Damaskus - Die schweren Kämpfe mit der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) machen den Palästinensern im Flüchtlingslager Yarmuk im Süden von Damaskus das Leben zur Hölle. Rund 2000 der zuletzt noch rund 18.000 Bewohner sind inzwischen geflohen, wie Anwar Raja, ein Sprecher der Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC), am Dienstag in Damaskus sagte.

"Die meisten von ihnen wurden in Notunterkünften der Regierung untergebracht", so Raja. Vor einer Woche hatte die IS-Miliz den Großteil des Lagers überrannt, das über die Jahrzehnte mit mehrstöckigen Häusern bebaut wurde und einem normalen Stadtviertel gleicht. Palästinensische Bürgerwehren leisten seither erbitterten Widerstand.

Der Weltsicherheitsrat in New York zeigte sich in einer Sitzung am Montag (Ortszeit) besorgt und verlangte freien Zugang für humanitäre Helfer. Die Europäische Union stellte 2,5 Millionen Euro für Soforthilfe bereit.

Bis zuletzt hatten in Yarmuk 18 000 palästinensische Flüchtlinge aus den israelisch-arabischen Kriegen der 1940er Jahre und deren Nachkommen gelebt. Die jüngsten Kämpfe machen ihre ohnehin schwierige Lage inmitten des syrischen Bürgerkriegs und angesichts einer Blockade durch das Regime von Machthaber Bashar al-Assad gänzlich unerträglich. Auch in früheren Phasen des seit 2011 währenden Bürgerkrieges war Yarmuk umkämpft. Zuvor hatten dort 150 000 Palästinenser gelebt.

Heute sind vielen Bewohnern die Fluchtwege durch die Gefechte abgeschnitten. Einigen Menschen, denen die Flucht gelang, berichteten der Deutschen Presse-Agentur in Beirut von unaufhörlichem Granatbeschuss und verschärftem Mangel an Trinkwasser und Lebensmitteln. "Wir konnten nicht schlafen, weil wir dachten, dass jederzeit eine Bombe auf uns fallen könne", erzählte ein zwölfjähriges Mädchen. "Meine fünf Kinder und ich haben kleine Scheiben Brot mit ein paar Tropfen Öl darauf gegessen, weil wir nichts anderes hatten", gab eine Frau zu Protokoll, die ihren Namen mit Um Ahmed - Ahmeds Mutter - angab.

Zur Bewilligung der 2,5 Millionen Euro für Soforthilfe erklärte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides, das Leiden der Zivilisten erreiche unerträgliche Ausmaße. Die Konfliktparteien seien aufgerufen, Hilfsorganisationen unverzüglich und ohne Bedingungen Zugang zu dem Gebiet zu ermöglichen. (APA, 8.4.2015)

  • Yarmouk, 1. April 2015: Palästinenser warten auf Hilfslieferungen
    foto: epa/sana

    Yarmouk, 1. April 2015: Palästinenser warten auf Hilfslieferungen

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