Wirtschaftserholung in Irland: Anders als Griechenland

Kommentar7. April 2015, 17:33
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Die Abgrenzung war immer klar - und immer berechtigt

Seit ihr Land im Gefolge des globalen Finanzcrashs 2008 in die Krise geriet, argumentieren Vertreter der irischen Regierung nach dem Motto: Wir sind nicht Griechenland. So wird es natürlich nicht gesagt, aber die Abgrenzung war immer klar - und immer berechtigt.

Gewiss konnte es oberflächlichen Analysten so scheinen, als spiele sich am Atlantik Ähnliches ab wie am Mittelmeer: hier wie dort ein völlig unhaltbarer Boom, hier wie dort verantwortungslose Fiskalpolitik, hier wie dort eine allzu kleine Politik- und Finanzelite, die sich auf Kosten der kleinen Leute die Taschen vollstopfte.

Aber anders als in Griechenland funktionierte in Irland die (Steuer-)Verwaltung, gab es einen lang erprobten Zusammenhalt zwischen Regierung, Arbeitgebern und Arbeitnehmern - und eine in jahrhundertelanger Unterdrückung durch Engländer und Schotten erprobte Leidensfähigkeit. Aus Brüssel und Frankfurt kamen gewiss harte Forderungen und gelegentlich ungerechte Zumutungen. Aber die Iren hatten nicht vergessen, dass der Beitritt zur damaligen EWG 1973 ihnen die Chance geboten hatte, sich langsam, aber sicher aus dem Würgegriff der britischen Umklammerung zu befreien. Der Boom des weltweit gefeierten "irischen Tigers" stand auf tönernen Füßen. Viele Iren wussten das. Als die Immobilienblase in sich zusammenbrach, machten sie nicht andere dafür verantwortlich, sondern krempelten selbst die Ärmel hoch. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 8.4.2015)

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