Tschechien: Streit um Zemans Reisepläne nach Moskau

7. April 2015, 16:46
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Premier Sobotka: "Ich würde es begrüßen, wenn der Herr Präsident außenpolitisch etwas professioneller agieren würde"

Tschechische Politiker haben die jüngste Verbalattacke von Präsident Miloš Zeman gegen den Prager US-Botschafter Andrew Schapiro heftig kritisiert. In einem Interview hatte Zeman angekündigt, für Schapiro blieben die Türen der Prager Burg, Sitz des Präsidenten, künftig verschlossen.

Grund für den Streit ist eine Aussage Schapiros zu Zemans Teilnahme an den Feiern zum 70. Jahrestag des Siegs über Hitlerdeutschland am 9. Mai in Moskau. In Anspielung auf den Ukraine-Konflikt hatte Schapiro gesagt, es sei "symbolisch möglicherweise prekär", wenn Zeman als einziger EU-Spitzenpolitiker die Parade einer Armee verfolge, die "einen Nachbarstaat der EU destabilisiert". Es stehe ihm jedoch nicht zu, "dem tschechischen Präsidenten zu sagen, was er zu tun und zu lassen habe".

Premier Bohuslav Sobotka fordert nun mehr Zurückhaltung: "Ich würde es begrüßen, wenn der Herr Präsident außenpolitisch etwas professioneller agieren würde." Ähnlich Ex-Außenminister Karl Schwarzenberg: "Unser Herr Präsident genießt einen bestimmten Ruf, sodass man ihn im Ausland nicht wie ein normales Staatsoberhaupt sieht". (Gerald Schubert aus Pilsen, DER STANDARD, 8.4.2015)

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