Britische Regierung erwägt verpflichtenden Altersnachweis für Pornoseiten

7. April 2015, 15:52
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Konservative mit neuem Vorstoß - Umsetzung allerdings unklar

Wer explizites Bild- und Videomaterial im Netz finden möchte, muss üblicherweise nicht lange suchen. Die meisten Pornoseiten verfügen zwar über eine Altersabfrage, die aber keine echte Hürde darstellt. Meist reicht ein Klick auf eine Schaltfläche oder die Eingabe eines falschen Geburtsdatums, um Zugang zu den einschlägigen Abbildungen zu erhalten.

Der britischen Regierung ist das schon länger ein Dorn im Auge. In den vergangenen Jahren wurden die Internetprovider ersucht, den Zugriff zu pornographischen Webseiten zu blockieren, sofern der Anschlussinhaber sich nicht aktiv gegen den Filter entscheidet (Opt-out). Premierminister David Cameron strebt nach einem gescheiterten Gesetzesvorschlag weiterhin eine verpflichtende Lösung an, obwohl die Filtersysteme bereits zu "Kollateralschäden" geführt und nicht-pornographsiche Seiten unzugänglich gemacht haben. Außerdem prescht die Regierung nun mit einem neuen Vorschlag vor.

Konservative: Wie 12-Jährige im Sexshop

Diesmal geht es um den Alterscheck, berichtet The Verge. Die Betreiber von Pornoportalen sollen in Hinkunft das Alter ihrer Besucher nicht nur einfach abfragen, sondern validieren. Denn, so betont die Conservative Party etwa auf Facebook, die aktuellen Prüfungsmechanismen seien nicht ausreichend. Immerhin wolle sich auch niemand vorstellen, wie 12-Jährige einen Sexshop aufsuchten und ungehindert Porno-DVDs kaufen könnten.

Umsetzung unklar

Nicht geklärt ist jedoch, wie diese Prüfung ablaufen soll. Im Raum steht, dafür Kreditkartendaten heran zu ziehen, was aber aus Datenschutzgründen und der Tatsache, dass neugierige Kinder zu diesem Zwecke die Karte ihrer Eltern schlichtweg kurz "ausborgen" könnten, problematisch ist. Zur Debatte steht nun eine Art elektronischer Personalausweis, dessen Einführung aber auch auf staatlicher Seite mit einigen Kosten und zu klärenden Datenschutzfragen verbunden wäre.

Eine strengere Regulierung wird von Kinderschutzorganisationen wie der NSPCC begrüßt. Kritik, auch am Filtersystem, gibt und gab es seit je her dafür von Netzaktivisten und nicht zuletzt auch von Seiten der Pornoindustrie.

Wahlkampf

Das Thema dürfte in den kommenden Wochen noch hitzig diskutiert werden. Dass die britischen Konservativen ihrem Kampf gegen Online-Pornographie gerade jetzt wieder Aufmerksamkeit bescheren, dürfte nicht ganz zufällig geschehen.

Am 7. Mai wählt Großbritannien zum 56. Mal ein neues Parlament. Letzte Umfragen sehen dabei die Labour Party und die Conservative Party gleich auf. Für die Konservativen wiesen zuletzt von der Sunday Times veröffentlichte YouGov-Zahlen (1.906 Befragte, PDF) 34 Prozent für die Konservativen und 33 Prozent für die Sozialdemokraten aus. Eine Umfrage von Populus (2.008 Befragte, PDF) wiederum sieht Labour mit 33 zu 31 Prozent voran. (gpi, 07.04.2015)

  • Herkömmliche Altersabfragen auf Pornoseiten stellen für minderjähriges Publikum keine Hürde dar.
    foto: derstandard.at/pichler

    Herkömmliche Altersabfragen auf Pornoseiten stellen für minderjähriges Publikum keine Hürde dar.

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