Philipp Bruni: "Ein neues Produkt ist wie ein Baby"

10. April 2015, 05:30
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Brunis Kleiderständer, der im Sommer auf den Markt kommen soll, ist noch namenlos

Ich weiß nicht, ob mein Kleiderständer das Zeug zum Klassiker hat. Ich hoffe es natürlich, so wie jeder Designer, der etwas Neues auf den Markt bringt. Ein Klassiker hängt nie allein vom Entwurf ab. Diesbezüglich spielen noch ganz andere Faktoren mit: Es geht um die Gesamtintelligenz eines Produktes, darum, die Balance zwischen Zeitgeist, Ästhetik, Markt, Produktion, Technologien und den sozialen Gegebenheiten da draußen zu finden.

Ferner benötigt man den richtigen Partner mit der richtigen Vision, einen, der die Eier hat, so ein Projekt gemeinsam anzupacken. All das macht die vierte Dimension eines Produktes aus. Planbar ist dieses Paket leider nur schwer, das wäre fein, wenn es dafür ein Rezept gäbe. Aber man kann sein Bestes tun, in die richtige Richtung zu gehen. Ein bisschen Glück braucht's natürlich auch.

König oder Dame

Einstweilen hat mein Kleiderständer, der spätestens im Sommer auf den Markt kommen soll, noch nicht einmal einen Namen, ich schwanke zwischen "König" und "Dame". Einer meiner Mitarbeiter stammt aus Spanien und schlug "Torro" vor, weil ihn der obere Teil des Objektes an die Hörner eines Stieres erinnert. Das mit dem Namen für ein Produkt ist so eine Sache. Bei meiner Vase "Pinocchio", die ich für Augarten-Porzellan entwarf, war der Name vor dem Produkt da. So was gibt's auch.

Den Anstoß zu dem Möbel gab eine Freundin. Sie meinte, sie kenne fast ausschließlich Kleiderständer, die hässlich sind, aber etwas aushalten, oder wohlgeformte, die leicht kippen. Erst letzte Woche war ich in einem Lokal, in dem ein Kleiderständer völlig überladen auf einen Gast gekippt ist. Jeder kennt das. Mit meinem kann das nicht passieren. Der hält was aus. Er besteht aus 13 Teilen und wird aus Eiche natur oder schwarz gebeizt von der Tischlerei Fürst produziert. Vielleicht kommen auch noch andere Varianten dazu, zum Beispiel eine Kinderversion. Ich finde den Kleiderständer charmant und elegant, nicht zu feminin, nein, er strahlt für mich auch eine gewisse Kraft aus. Hat Charakter, das Ding.

Vorhang auf

Ein Designer muss neugierig sein, seine Umwelt aufsaugen, wenn er etwas Neues erschaffen will. Entwerfen ist eine Art Einkreisen, eine Form von Brainstorming, das über die Arbeit des Skizzierens funktioniert, und manchmal, das kann um drei in der Früh sein, wenn ich da so sitze und zeichne, hab ich's. Peng!

Wann ein Produkt wirklich fertig ist, kann man gar nicht so leicht sagen. In meinem Fall hilft mir der Druck vor einem Abgabetermin enorm, denn zu diesem muss es fertig sein.

Es ist wie ein Baby, so ein neues Produkt, man ist eine Weile schwanger, und irgendwann kommt es auf die Welt. Man könnte es auch mit einem Auftritt im Theater vergleichen. Wenn der Vorhang aufgeht, muss man raus und hat seine Rolle hoffentlich intus. Ich muss mich als Designer heute in einem Kosmos zwischen schwedischem Möbelhaus und italienischen oder deutschen Topproduzenten bewegen. Da ist viel Platz, möchte man meinen. Das Dilemma ist, dass die Kosten, sofern man in Österreich oder Europa produzieren will, extrem hoch sind.

Jede Minute Arbeitskraft macht das Produkt teurer, dazu kommen die Margen, der Versand etc. Ich will aber nicht, dass die Qualität und Nachhaltigkeit eines meiner Produkte unter diesen Umständen leiden müssen. Das macht es heute einfach schwieriger, und deshalb bleibt so mancher Entwurf eines Gestalters in der Schublade. Man muss also gut überlegen, wie man ein neues Produkt auf die Beine bringt und herausfinden, welche Berechtigung es am Markt hat, was für die jeweilige Marke stimmt etc. Sonst hat man auf den Klassiker keine Chance. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 10.4.2015)

Philipp Bruni wurde 1982 in Mödling geboren und gründete 2006 sein Designstudio in Mailand und Wien. Er studierte Design in Mailand, Betriebswirtschaft in Wien und absolvierte eine Ingenieursausbildung in Maschinenbau. Seine Tätigkeitsfelder reichen von Industrial- und Interior-Design bis hin zu Exhibition Design, er arbeitete für Kunden wie Manner, Römerquelle, Augarten oder Do&Co.

www.philippbruni.com

  • Philipp Bruni und sein nigelnagelneuer Kleiderständer. In Sachen Namensgebung schwankt er noch zwischen "Dame" und "König".
    foto: christian benesch

    Philipp Bruni und sein nigelnagelneuer Kleiderständer. In Sachen Namensgebung schwankt er noch zwischen "Dame" und "König".

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