Peter Umgeher & Georg Schnitzer: "Unsere Uhr passt sich Wünschen an"

10. April 2015, 05:30
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Experiment zwischen "Rapid Prototyping" und "Open Source"

Die "Cardboard Clock" ist Teil unseres "Apartment"-Projektes. Dabei geht es um Möbel, Leuchten und Accessoires, die auf der Idee basieren, vorgefertigte Komponenten mit modernsten Produktionstechniken zu verbinden. Man nehme zum Beispiel drei Rundstäbe aus dem Baumarkt und kombiniere diese mit einer Kunststoffkonstruktion, die wir entworfen haben. Daraus entsteht ein Kleiderständer. Wir verstehen das Ganze auch als Experiment zwischen "Rapid Prototyping" und "Open Source", das heißt, es wäre möglich, sich ein File von unserer Website herunterzuladen und mit den Daten einen 3-D-Drucker zu füttern, der dann die entsprechende Komponente für das Objekt ausdruckt.

Das gilt auch für die Uhr. Im Prinzip kann sie sich jeder selbst samt den Zeigern ausdrucken bzw. ausdrucken lassen und nach Lust und Laune bemalen. Uns gefällt sie aber auch in der rohen Version aus sogenannter Finnpappe, ein schönes, helles Material aus Finnland. Das Einzige, was man sich bei Selbstfertigung besorgen muss, ist ein einfaches Uhrwerk, aber das lässt sich ohne Probleme anbringen. Sogar Menschen mit zwei linken Händen schaffen das. Es handelt sich also um eine Uhr, die sich den Wünschen des Kunden anpasst. Wer keine Lust darauf hat, selbst Hand anzulegen, kann sie auch fixfertig im Handel erwerben, zum Beispiel bei "Park" im 7. Bezirk oder über unsere Website.

Postminimum

Es ist gar nicht so leicht, unseren Stil in Worte zu fassen. Es war im Bereich des Designs einfach schon so viel da, es existiert so unglaublich viel nebeneinander. Das macht es sehr schwer, sich auf eine Stilrichtung festzulegen. Die Frage lautet eher: Wo liegt bei all den Stilen, Designs, Objekten und Gestaltern unsere Position? Wenn man diese unbedingt benamsen will, dann würden wir unser Ding als "Postminimum" bezeichnen.

Was die Gestaltung eines Gegenstandes betrifft, geht es darum, sinnvoll zu bleiben und nichts hineinzuinterpretieren. Der Prozess, einen Gegenstand von der ersten Skizze bis hin zur eigentlichen Produktion ist derart komplex, dass wir nicht glauben, es zusätzlich mit persönlichen Emotionen beladen zu müssen.

Trotz unserer zurückhaltenden Herangehensweise kann ein Produkt Witz haben oder sich durch Ernsthaftigkeit auszeichnen, je nachdem, für welchen Kunden ein Produkt realisiert wird. Es geht immer um Kontext und um Geschichte. Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, all die Dinge, mit denen sich Menschen seit langem umgeben, weiterzudenken und in eine zeitgenössische Formensprache zu gießen.

Verwandtschaften

Anders formuliert: All die Jahrhunderte, in denen Objekte gestaltet wurden, zeigen letztendlich, dass diese miteinander verwandt sind, manche enger, manche nur sehr entfernt. Das kann man sich wie einen gigantischen Stammbaum vorstellen. Wenn man sich unsere "Cardboard Clock", genauer ansieht, findet sich in ihr eine ganze Reihe von Reverenzen an andere Uhren und Gegenstände. Sie ist mit der Tischuhr von Carl Auböck aus dem Jahre 1969 genauso verwandt wie mit bestimmten Modellen von Swatch oder hölzernen Uhren, mithilfe derer Kinder lernen, die Uhr zu lesen.

Design ist etwas, das auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen wirkt. Es gibt Menschen, die sich mit einem Produkt sehr emotional auseinandersetzen können und eine Beziehung zum Objekt aufbauen. Andere wiederum verwenden Alltagsgegenstände lediglich als Werkzeug, als Alltagserleichterung. Dazwischen existiert alles Mögliche, beim einen löst die Farbe etwas aus, beim anderen die Form, beim Dritten das Material. Auch deshalb sollen sich unsere Entwürfe Wünschen anpassen. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 10.4.2015)

Peter Umgeher wurde 1978 in Leoben geboren und studierte Industrial Design an der Fachhochschule Joanneum in Graz. Georg Schnitzer kam 1977 in Hartberg zur Welt und absolvierte ein Grafikdesign- Studium an der Angewandten. Die beiden arbeiten in den Bereichen Produkt-, Möbel- und Kommunikationsdesign. Ihre Kunden sind unter anderem Artek, der Flughafen Wien oder das "New York Times Magazine".

www.vandasye.com

  • Peter Umgeher (li.) und Georg Schnitzer und ihre "Cardboard Clock", die es in unzähligen Varianten und auch zum Selbermachen gibt.
    foto: christian benesch

    Peter Umgeher (li.) und Georg Schnitzer und ihre "Cardboard Clock", die es in unzähligen Varianten und auch zum Selbermachen gibt.

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