Interner Disput über Burschenschafter bei steirischen Grünen

7. April 2015, 16:30
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Parteijugend vermisst klare Abgrenzung der Landespartei zu allen Männerbünden

Graz – Bei den steirischen Grünen diskutiert man die Abgrenzung gegenüber Männerbünden. Konkrete Anlässe dafür waren ein Mitglied der Akademischen Sängerschaft Gothia in Graz, das parteiintern für die Landtagswahl kandidierte, und ein Mitglied des CV, des katholischen Kartellverbands, das für die Gemeinderatswahl in Leoben kandidieren wollte. Sowohl das Mitglied des Sängerbundes, ein Musiker und angeblicher Verkehrsexperte, als auch der CVler in Leoben zogen sich nach Diskussionen zurück.

Antrag auf Unvereinbarkeit

Das reicht den Jungen Grünen nicht. Sie bringen bei der Landesversammlung am 18. April einen Antrag zur "Unvereinbarkeit einer grünen Mitgliedschaft, Kandidatur oder Mitarbeit" mit Männerbünden mit antifeministischen Strukturen und dem Glauben an elitäre Gesellschaftsordnungen ein.

Der Antrag werde "eh sicher angenommen" heißt es seitens der Landespartei auf Nachfrage von derStandard.at. Victoria Vorraber von den Jungen Grünen bezweifelt das: "Die werden alles tun, damit unser Antrag erst nach der Landtagswahl, also im Herbst, abgestimmt wird." Geht es um den katholischen CV, fürchte laut Vorraber nämlich "fast die ganze Führungsriege der Landespartei, in diesem Pool Wählerstimmen zu verlieren". Spitzenkandidat und Landessprecher Lambert Schönleitner hatte zuletzt wiederholt betont, seine Partei müsse sich öffnen.

Gothia oder Grüne

Der erwähnte Verkehrsexperte der Gothia dockte laut den Jungen Grünen in der Zeit der schwarz-grünen Koalition in der Landeshauptstadt an. "Wir hatten das Gefühl, da entsteht jetzt eine Unschärfe", so Vorraber. Sie glaubt, der Mann sei erst gegangen, als ihn die Partei vor die Wahl – Gothia oder Grüne – stellte. Der Leobner aus dem Kartellverband sei schon länger in der Partei aktiv gewesen. Dem Vernehmen nach habe man ihm geraten, die Zugehörigkeit zum CV nicht publik zu machen. Mit dem Antrag will man die Landespartei nun gewissermaßen festnageln.

Was die Grazer Grünen angeht, so wurde hier ein ähnlich lautender Antrag bereits vor Monaten einstimmig angenommen, weshalb die Vorsitzende der Stadtpartei, die Anwältin Susanna Ecker, die Aufregung bei den Jungen nicht teilen kann.

"Die Erde ist eine Kugel"

"Dieser Antrag ist ungefähr so nötig wie ein Antrag, in dem steht, die Erde ist eine Kugel", sagt Ecker zu derStandard.at, denn es sei "gewiss, dass Burschenschaften mit Feminismus und Grünen nicht zusammengehen". Der einstimmigen Annahme des Antrags sei bei den Grazer Grünen "eine gute, entspannte Diskussion vorangegangen", so Ecker.

Jugendsprecherin Vorraber sieht das alles nach wie vor nicht so entspannt, ist sie doch überzeugt: "Es gibt einige in dieser Partei, die haben nichts gegen den CV, weil er nicht ausländerfeindlich, sondern nur antifeministisch ist, und sie glauben, das könnte man von innen heraus ändern." Der 18. April wird zeigen, wie das die Mehrheit der steirischen Grünen sieht. (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 8.4.2015)

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