Junge Menschen in Wien wohnen und arbeiten prekär

7. April 2015, 15:30
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Arbeiterkammer ortet Benachteiligungen vor allem bei jungen Frauen, Migranten und Migrantinnen

Wien – "Es ist nicht alles eitel Wonne und Waschtrog", stellte Rudi Kaske, Präsident der Arbeiterkammer Wien (AK), am Dienstag fest. Denn die Ergebnisse der von der AK beauftragten und vom Institut Sora durchgeführten Studie "Junge Menschen in Wien" lassen zwar auf eine hohe Lebensqualität schließen, sie zeigen aber auch Benachteiligungen in den Bereichen Wohnen und Arbeiten auf. Betroffen sind davon insbesondere junge Frauen, Migranten und Migrantinnen.

Überqualifizierte mit Migrationshintergrund

97 Prozent der befragten 15- bis 30-Jährigen gaben an, "gerne" oder "sehr gerne" in Wien zu leben, und 82 Prozent, mit ihrer Tätigkeit "zufrieden" oder "sehr zufrieden" zu sein. Menschen mit Migrationshintergrund bewerteten ihren Job hingegen als weniger interessant und ihr Einkommen als schlechter als der Durchschnitt der Befragten. Sie seien besonders häufig überqualifiziert und unterbezahlt, weil ihre Berufsabschlüsse von Unternehmen nicht für gleichwertig erachtet würden, sagte Kaske. Er forderte ein "verlässliches Validierungssystem ausländischer Berufsabschlüsse".

Mit Jobinhalten und Einkommen zeigten sich alle Überqualifizierten weniger zufrieden als der Durchschnitt, wobei sie 25 Prozent der unter 30-jährigen Berufstätigen ausmachen. Noch größer ist der Anteil bei den Teilzeitbeschäftigten: 41 Prozent können in ihrem Teilzeitjob ihre Fähigkeiten und Kenntnisse nicht verwerten.

Junge Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen sind außerdem Belastungsfaktoren wie Mobbing, Rassismus im Alltag und Stress in Beruf oder Ausbildung stärker ausgesetzt.

Prekariatsrisiko

Wiens Junge sind insgesamt dem Risiko prekärer Beschäftigungsverhältnisse ausgesetzt: Neben Überqualifikation und Teilzeitarbeit (37 Prozent) sind 17 Prozent in einem befristeten Dienstverhältnis angestellt. Hinzu kommen prekäre Wohnverhältnisse: Ein Drittel der jungen Menschen, die das Elternhaus bereits verlassen haben, leben in einem befristeten Mietverhältnis, 24 Prozent kämpfen mit teuren Mietpreisen und zwölf Prozent mit Überbelegung in der Wohnung. Mehr als zwei Drittel der jungen Berufstätigen sind von mindestens einer dieser sechs Formen von Prekariat betroffen. Teilzeitarbeit betrifft häufiger junge Frauen (43 Prozent) als Männer (24 Prozent).

Freizeitangebot und Öffis wurden von den jungen Wienerinnen und Wiener überwiegend gut bewertet. Sie wünschen sich laut der Studie aber mehr Grünflächen und Freiräume ohne Konsumzwang. (cmi, derStandard.at, 7.4.2015)

Für die Untersuchung wurden Daten der Lebensqualitätsforschung der Stadt Wien aus den Jahren 2003, 2008 und 2013 sowie zum Teil Mikrozensuszahlen von 2007 und 2012 herangezogen. Befragt wurden je Durchgang rund 1.500 Wienerinnen und Wiener von 15 bis 30 Jahren.

  • Junge Menschen fühlen sich wohl in Wien – das Prekariatsrisiko bei Wohnen und Arbeit ist allerdings höher als bei Älteren.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Junge Menschen fühlen sich wohl in Wien – das Prekariatsrisiko bei Wohnen und Arbeit ist allerdings höher als bei Älteren.

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