Flugsicherheit: Menschliche Piloten laut Experten nicht mehr nötig

7. April 2015, 10:53
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Software und Roboter sollen in der Lage sein, Flugzeuge selbst zu steuern

Insgesamt 838 Millionen Passagiere wurden im vergangenen Jahr auf über 8,5 Millionen Flügen an ihr Ziel gebracht: Die überwältigende Mehrheit davon sicher und ohne Zwischenfall. Nach dem verheerenden Flugzeugabsturz über den französischen Alpen, den der Copilot absichtlich ausgelöst haben soll, steht dennoch die Flugsicherheit einmal mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Während Fluglinien als Reaktion das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit einführen, also immer mindestens zwei Personen anwesend sein müssen, glauben Flugexperten, dass mittlerweile gar kein menschlicher Pilot mehr nötig ist.

Letztinstanz Pilot

Denn Flugzeuge sind heute schon extrem "smart" und können sich de facto selbst steuern. Eine Umfrage ergab, dass Piloten einer Boeing 777 im Schnitt nur sieben Minuten manuell steuerten, beim Airbus halbiert sich diese Zahl sogar. Und: "Der Airbus weiß natürlich, dass er gerade in einen Berg fliegt", erklärt der Luftfahrt-Experte David Mindell vom Massachusetts Institut of Technology (MIT) gegenüber der New York Times, "doch die Systeme dürfen nicht übernehmen." Nach dem Unglück stelle sich daher die Frage, ob die letzte Instanz immer ein menschlicher Pilot im Flugzeug sein müsse.

Roboter oder Fernsteuerung

Grundsätzlich gibt es zwei Optionen, um das Cockpit zumindest zu entlasten: Fluglinien könnten auf Roboter bzw. den Autopiloten setzen oder die Fernsteuerung durch Menschen, die nicht im Flugzeug sind, einführen. In beiden Bereichen forschen vor allem US-Behörden aktiv. Ein Großteil der Innovationen wird naturgemäß im militärischen Bereich vollbracht: Das US-Verteidigungsministerium stattet etwa F16-Kampfjets mit einer Software aus, die im Notfall übernimmt und das Flugzeug vor einem Absturz bewahrt. Das soll laut New York Times einem Piloten, der Angriffe gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" flog, sogar das Leben gerettet haben.

Bodenkontrolle

Gleichzeitig setzen die USA zusehends auf ihr berüchtigtes Drohnenprogramm, mit dem unbemannte Luftmissionen gegen militärische oder geheimdienstliche Ziele geflogen werden. Allerdings sind an einer Drohnen-Operation bis zu 150 Menschen beteiligt, der Aufwand ist enorm. Die NASA glaubt aber, dass dies bei der zivilen Luftfahrt mit weitaus weniger Ressourcen zu bewältigen wäre: So könnte in der Bodenkontrolle ein Mitarbeiter mehrere Flüge als Co-Pilot managen und im Notfall übernehmen. "Flüge wären so um einiges sicherer", glaubt die Luftfahrtexpertin und ehemalige Pilotin Mary Cummins in der New York Times.

Roboter

Eine Alternative wären Roboter als Co-Piloten: Die Rüstungsforscher des US-Verteidigungsministerium, DARPA, tüfteln momentan an einer humanoiden Maschine, die Instrumente im Cockpit bedienen kann. Der Roboter soll sogar Spracherkennung beherrschen und auf Befehle oder Alarmsignale reagieren können. Zum Einsatz soll der maschinelle Co-Pilot vorerst bei Frachtflügen kommen.

Psychologie

Im zivilen Luftfahrtbereich könnten diese Maßnahmen durchaus auf zu großen Widerstand treffen. "Ein menschlicher Pilot, der anwesend ist, ist psychologisch unersetzbar", so Cummins. Auch die US-Pilotenvereinigung sträubt sich gegen Roboter oder Fernsteuerung. "Menschliche Piloten können besser riechen, fühlen, hören", so die Berufsvertretung vor dem US-Senat. Und auch wenn der Faktor Mensch zurzeit im Fokus stehe – natürlich kann auch die Technik jederzeit versagen. (fsc, 7.4.2015)

  • Neue Systeme sollen den menschlichen Faktor ersetzen
    foto: apa/dpa/berg

    Neue Systeme sollen den menschlichen Faktor ersetzen

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