Airbus-Absturz: Fliegerarztverband für strengere Piloten-Checks

7. April 2015, 08:44
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Test auf Konsum von Psychopharmaka und Drogen gefordert

Berlin/Düsseldorf/Seyne-les-Alpes - Nach dem offenbar absichtlich herbeigeführten Germanwings-Absturz in Südfrankreich setzt sich der Präsident des Deutschen Fliegerarztverbandes, Hans-Werner Teichmüller, für strengere Untersuchungen für Piloten von Passagierflugzeugen ein. "Wir fordern häufigere und gründlichere Laboruntersuchungen für Piloten", sagte Teichmüller der Zeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe).

"Es muss ein Befund her, mit dem auch der Konsum von Psychopharmaka und Drogen nachgewiesen werden kann." Diese Forderung geht weit über die bisherige Praxis hinaus. Bisher schreibt die jährliche flugmedizinische Tauglichkeitsprüfung der Klasse 1 neben einer Analyse des Urins nur die Untersuchung des Hämoglobinwertes und in angezeigten Fällen die des Blutzuckers vor.

Nachweis von Psychopharmaka oft nicht möglich

In der Praxis wird oft ein kleines Blutbild getestet. Damit lassen sich dem Bericht zufolge jedoch nur indirekt Hinweise auf einen erhöhten Alkoholkonsum ableiten. Psychopharmaka und Drogen könnten die Ärzte damit nicht nachweisen. Der Verband erwägt zudem weitere Empfehlungen. Es fehlten auch Laboruntersuchungen auf Leber-, Nieren- und Fettwerte, sagte Teichmüller der "Welt".

Zuvor hatte der Vizepräsident des Verbandes, Uwe Beiderwellen, gesagt, dass er psychologische Tests bei den Routineuntersuchungen für Piloten für überzogen halte. Es sei schwierig, psychische Störungen vorherzusagen. Erweiterte Laboruntersuchungen könnten nun dabei helfen.

Angehörige werden weiter betreut

Die Betreuung von Angehörigen der Opfer des Absturzes in den südfranzösischen Alpen soll gesichert bleiben. Darauf hat die zuständige Präfektur des Departements Alpes-de-Haute-Provence am Montag hingewiesen. Am Einsatzzentrum der Bergungskräfte in Seyne-les-Alpes stehe nahe dem Rathaus ein Rückzugsraum zur Besinnung zur Verfügung.

Dort sei vier Stunden täglich eine psychologische Betreuung im Einsatz. Darüber hinaus verwies die Präfektur auf ein Team von Medizinern, dass für Angehörige die ganze Woche über bereitstehe. Die provisorische Gedenkstätte in Le Vernet nahe der Absturzstelle soll für Angehörige weiter zugänglich, ansonsten aber abgesperrt bleiben. Zudem wies die Präfektur erneut darauf hin, dass für Angehörige der Opfer zahlreiche Unterkünfte zur Verfügung stehen. In der Unglücksregion waren über das Wochenende wieder zahlreiche Angehörige eingetroffen. Dabei wurden die Betroffenen erneut von der Polizei abgeschirmt.

Der Kopilot Andreas L. hatte einen Germanwings-Airbus laut bisherigen Ermittlungsergebnissen am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf bewusst gegen einen Berg der französischen Alpen gesteuert, um sich das Leben zu nehmen. Dabei starben alle 150 Menschen an Bord. Schnell wurde danach bekannt, dass der 27-jährige L. in der Vergangenheit wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr behandelt worden war. (APA, 7.4.2015)

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