Jemen: Saudi-Arabien bittet Pakistan um Kampftruppen

7. April 2015, 12:00
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Rotes Kreuz kann kaum Hilfslieferungen bringen – Landung auf dem Flughafen in Sanaa ist äußerst schwierig

Aden – Die von Saudi-Arabien geführte Koalition gegen die jemenitischen Huthi-Rebellen hat Pakistan um einen substanziellen militärischen Beitrag gebeten. Wie der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif dem Parlament am Montag bekanntgab, hätte Saudi-Arabien in Pakistan um Soldaten, Schiffe und Fluggeräte nachgefragt.

In Pakistan wird eine etwaige militärische Beteiligung kontroversiell diskutiert, da diese einen Keil in die eigene Armee treiben könnte, die nur zu rund 70 Prozent aus Sunniten besteht und mühsam geeint wurde. Bisher hat Pakistan den Militäreinsatz gegen die Huthi-Rebellen zwar gutgeheißen, aber noch keine militärische Unterstützung angeboten.

18 Tote in der Nacht zum Dienstag

Bei Kämpfen im Süden des Jemen sind in der Nacht zum Dienstag mindestens 18 Menschen getötet worden. In Aden lieferten sich Kämpfer der Huthi-Miliz und Anhänger von Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi heftige Gefechte, wie aus Kreisen der Rettungskräfte und des Militärs verlautete. Sechs Rebellen und vier Kämpfer der Hadi-treuen Volkskomitees wurden den Angaben zufolge getötet.

Den paramilitärische Verbänden sei es bei den Kämpfen gelungen, Teile des zentralen Viertels Al-Moalla wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, berichteten Augenzeugen. Einwohnern zufolge beschossen Kampfschiffe der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition in der Nacht zum Dienstag Stellungen der Rebellen in der Hafenstadt. In der östlich von Aden gelegenen Provinz Abjan wurden nach Angaben des Gouverneurs acht Houthi-Rebellen getötet, als sie in einen Hinterhalt von Stammeskämpfern gerieten.

Flugzeuge können nicht landen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) meldet "logistische Probleme" bei der Lieferung von Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung. Es gebe zwar die erforderlichen Genehmigungen für Hilfslieferungen nach Sanaa, doch hätten Flugzeuge zunehmend Probleme, auf dem dortigen Flughafen zu landen, sagte eine IKRK-Sprecherin.

Das IKRK hatte am Samstag eine 24-stündige Kampfpause gefordert, um Hilfsgüter liefern zu können. Der Organisation zufolge stehen derzeit 48 Tonnen Medikamente und andere medizinische Hilfsgüter zur Lieferung bereit. Russland legte seinerseits am Samstag dem UNO-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vor, in dem eine Kampfpause gefordert wird, um Ausländer aus dem Jemen in Sicherheit zu bringen. Das Gremium beriet über den Text, fällte aber noch keine Entscheidung.

Jordanien brachte am Montag weitere Landsleute aus dem Jemen über den Landweg nach Saudi-Arabien. Schiffe aus Indien, China und Frankreich brachten ebenfalls hunderte Menschen in Sicherheit.

Auch China fordert Waffenruhe

China hat sich den Aufrufen für eine Waffenruhe angeschlossen, die Hilfslieferungen ermöglichen soll. "Wir appellieren an alle Konfliktparteien, rasch eine Feuerpause einzuhalten und weitere zivile Opfer zu vermeiden", sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am Dienstag in Peking.

Waffen und Luftangriffe aus Saudi-Arabien

Der international anerkannte Präsident Hadi war nach Aden geflohen, nachdem die Huthi-Rebellen und die Truppen Salehs im Februar die Hauptstadt Sanaa vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Als die Huthis Mitte März auf die südliche Hafenstadt vorrückten, floh Hadi weiter nach Saudi-Arabien und bat das Königreich um militärische Unterstützung. Saudi-Arabien und verbündete arabische Staaten begannen daraufhin am 26. März, Luftangriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen zu fliegen.

Die Allianz begründet ihre Intervention auch damit, dass der Iran die Huthis unterstütze. Viele Experten bezweifeln aber, dass der Iran nennenswerten Einfluss auf die Rebellen habe. Das iranische Parlament warf Saudi-Arabien am Sonntag eine "klare Aggression gegen ein Volk und ein unabhängiges Land" vor. (red/APA, 7.4.2015)

  • Suche nach Überlebenden in einem von saudischen Luftschlägen zerstörten Haus nahe der Hauptstadt Sanaa.
    foto: ap photo/hani mohammed, file

    Suche nach Überlebenden in einem von saudischen Luftschlägen zerstörten Haus nahe der Hauptstadt Sanaa.

  • Demonstration in Lahore gegen eine Beteiligung Pakistans an der Koalition gegen die Huthi-Rebellen.
    foto: ap/adil

    Demonstration in Lahore gegen eine Beteiligung Pakistans an der Koalition gegen die Huthi-Rebellen.

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