EU-Nothilfe für Palästinenserlager Yarmuk in Syrien

7. April 2015, 14:38
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Errichtung eines humanitären Korridors verlangt – Großteil des Flüchtlingscamps unter Kontrolle der IS-Miliz

New York – Angesichts der dramatischen Lage im palästinensischen Flüchtlingslager Yarmuk in Syrien stellt die Europäische Union 2,5 Millionen Euro für Soforthilfe bereit. "Das Leiden der Zivilisten erreicht unerträgliche Ausmaße (...)", kommentierte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides am Dienstag.

Der UN-Sicherheitsrat hatte zuvor die Errichtung eines humanitären Korridors zu dem weitgehend von der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrollierten Flüchtlingslager Yarmuk in Syrien gefordert. Dies teilte die jordanische UN-Botschafterin Dina Kawar, am Montag in New York mit. Zudem verurteilte das höchste UN-Gremium "auf das Schärfste die Verbrechen gegen 18.000 Zivilisten". Der Sicherheitsrat sei besorgt über die Lage der Menschen in dem Camp südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus und sei bereit, "notwendige Hilfe bereitzustellen", hieß es weiter.

IS-Kämpfer hatten Yarmuk am Mittwoch angegriffen. Die Jihadisten nahmen den Großteil des Viertels ein, das aus einem palästinensischen Flüchtlingslager hervorgegangen ist. In dem Stadtteil leben heute noch rund 18.000 der einst 160.000 Menschen. Seit dem Beginn der Kämpfe mit den Jihadisten gelangten keinerlei Hilfslieferungen mehr in das Viertel.

Ein Vertreter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) schilderte dem UN-Sicherheitsrat die dramatische Lage in dem Camp. Die Situation der Menschen dort sei "verzweifelter denn je", heißt es in dem Bericht von Pierre Krahenbühl.

Palästinenser mobilisieren

Mit Kundgebungen, Appellen an die Weltöffentlichkeit und der Entsendung einer Delegation der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nach Damaskus versuchen auch die Palästinenser, ihren Landsleuten im syrischen Flüchtlingslager Yarmuk zu helfen. Die PLO-Delegation unter Leitung von Ahmed Mashdalani wurde am Dienstag in der syrischen Hauptstadt erwartet.

Dort will sie "Schutzmaßnahmen für unsere Bevölkerung in Yarmuk" diskutieren, wie Mashdalani einer Agentur sagte. "Letztlich ist die Regierung in Damaskus für die Sicherheit der Menschen dort verantwortlich. Sie muss das Lager schützen", sagte das PLO-Führungsmitglied.

Die PLO rief alle Kriegsbeteiligten auf, "sichere Fluchtkorridore für die Zivilisten zu ermöglichen und den sofortigen Zugang von Hilfsorganisationen und Notärzten zu gestatten". Dieser Appell wurde von islamistischen und linksradikalen Palästinensergruppen im Gazastreifen unterstützt. In einer gemeinsamen Erklärung schlossen diese sich "den Bemühungen der PLO-Delegation an, die palästinensischen Flüchtlingslager außerhalb des innersyrischen Konflikts zu halten, in den wir uns nicht einmischen wollen". (APA, 6.4.2015)

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