Gesucht: Das beste Eis von Wien – und die Blütenblätter drin

7. April 2015, 15:20
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Schmeck's eröffnet die Eis-Saison mit Ziegenkäse und Karotte - und beendet sie mit einem geilen Buckelberger gleich wieder

Tag für Tag wird es jetzt zwei Grad wärmer - höchste Zeit, die Eissaison zu eröffnen. Wer wartet heutzutage schon auf die Eismänner, wenn die Schanigärten schon im Winter aufs Trottoir gepflanzt werden? Eben.

Ein Eis-Greissler ganz ohne Schlange

Sonntags stieß ich auf der Mariahilfer Straße auf ein Phänomen, das ich so noch nie wahrnehmen durfte: eine Filiale des Eis-Greisslers (Greißler müsst das heißen) ohne Schlange davor. So eine Gelegenheit, zudem an einem vergleichsweise mild-sonnigen Tag kommt nie wieder.

Ich darf berichten: Ziegenkäse-Eis eine reine Freude für Menschen, die sich selbst schon süß genug finden. Topfen - eine doch süßere Pracht, die mir ohne Käse-Unterlage schon fast zu weit gegangen wäre. Birnen-Melisse - quite good! Vor allem auf wunderbar selbstgebackenem Apfelnusskuchen.

Bittere Beere

Nur die Erdbeere kippte mir (und weit kundigeren Mittestern) ganz am hintersten Rand der Geschmacksnerven ein bisschen ins Bittere. Ein Eis wie das Leben, seufzen hier womöglich die Alltagsphilosophen unter den Speiseeisessern, ich sag nur: Bitter muss nicht böse sein. Ich mag ohnehin kein Erdbeereis.

Handschuh-Eis

Am Ostermontag wollt' ichs noch einmal wissen: Lässt sich Speiseeis mit schon ein bisserl schneidenden Handschuh-Temperaturen kombinieren? Denn: Viel zu spät sah ich am Sonntag, dass die Greißlerei auch Honig-Blütenblätter-Eis offeriert. Und die Wunderbare seufzte, sie habe Karotteneis verpasst. Karotteneis! Da fehlte nicht mehr viel zum Entschluss, auch noch den "Bucklberger" zu kosten - Schoko-Trüffel mit Nusstückerln in wuchtigen Knödeln, die jedes Stanitzel überfordern, gewälzt in Vollkorngebrösel.

foto: harald fidler

Blütenblätter gesucht

Und in der Tat: In der Rotenturmstraße schon eine kleine Schlange vor der Greißlerei - bei zirka sechs Grad Außentemperatur. Die hat natürlich auch Vorteile: Man kann eine Tüte verputzen und der Buckelberger im Becherl ist in der Zwischenzeit kaum angetaut.

Erkenntnis: Um Honig und Blütenblätter im intensiv obersmilchigen Eis wirklich präzise zu erschmecken, braucht es feinere Papillen als die meinen. Aber: zweifelsfrei ein schönes Milcheis. Die Karotte, stellvertretend für die Wunderbare verkostet, könnte karottiger nicht sein. Aber möchte man wirklich Gemüse-Eis? Es gibt gewiss Menschen, die das bejahen, ich sage: dann lieber Käse.

Ein geiler Bucklberger

Und der Bucklberger? Ein ganz schön geiler geiler, mir zu geiler Zeitgenosse: schokoladig-fetter Kontrast zur Karotte. Nicht von ungefähr hatte man mir als Kombinationspräparat der Wahl zum Buckeligen Fruchteis an den Gaumen gelegt. Ich schlug den Rat voller Experimentierfreude in den eisigen Aprilwind. Sagen Sie nicht, sie hätten mich nicht gewarnt!

foto: harald fidler

Wo kugeln Sie herum?

Aber nun zu Ihnen: Stellen Sie sich auch freudig an vor dem Eis-Greissler? Gehen Sie lieber klassisch in die Tuchlauben? Zu Bortolotti, Leonardelli oder Molin-Pradel? Eine Chance tät ich dem Speise-Eis schon noch geben heuer. Ich freue mich auf Ihre Tipps. (Harald Fidler, derStandard.at, 7.4.2015)

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