Förderungen: In Kärnten droht Aushungern der Kultur

7. April 2015, 05:30
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Das Hypo-Debakel zieht Kürzungen bei der Kulturförderung nach sich

Klagenfurt - Für Kärntens Kulturbranche war Ostern kein Fest der Freude. Zwei Tage vor den Feiertagen verhängte die Landesregierung einen Auszahlungsstopp bei der Kulturförderung. Mindestens eine Million Euro weniger soll 2015 an die Kärntner Kulturschaffenden ausgeschüttet werden. Die Maßnahme ist Teil eines größeren Sparprogramms, bei dem das Land rund 55 Millionen Euro quer durch alle Ressorts kürzen will.

"Das Hypo-Erbe verlangt von allen politischen Verantwortlichen einen strikten Spar- und Restrukturierungskurs", erklärte Landesrat Christian Benger (ÖVP) in einer Aussendung. Es werde nun auch vermehrt Förderabsagen an die Förderwerber geben, weil aktuell keine Zusagen gemacht werden dürfen, so Benger weiter. Wer also für 2015 noch keine schriftliche Zusage bekommen hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit um die Förderung umfallen.

Erstes Opfer der Kürzungen ist die (von Bengers Vorgänger Wolfgang Waldner 2013 initiierte) Transformale. Dem landesweiten Festival für zeitgenössische Projekte wurde bereits im Herbst das Budget von 600.000 auf 450.000 Euro gekürzt. Nun sollen weitere 100.000 Euro eingespart werden.

Aufbruchsstimmung verflogen

Glaubt man Stimmen aus der Kärntner Kulturszene, ist der Euphorie nach dem Regierungswechsel im Jahr 2013 nun Ernüchterung gefolgt. Erst im Jänner kritisierten das Universitätskulturzentrum (Unikum) und die Interessengemeinschaft Kikk Landesrat Bengers Kurs. Hinter vorgehaltener Hand trauert man dem erfahrenen Kulturmanager Wolfgang Waldner nach, der nach seinem Zwischenspiel als Landesrat Botschafter in Budapest wurde und nun nach Washington wechselt. Waldners Fokus auf Zeitgenössisches sehen viele Kulturschaffende nun in Gefahr. Der von Christian Benger definierte Kulturschwerpunkt "Brauchtum, Heimat, Tradition" für das Jahr 2015 stieß auf große Skepsis.

Besonders hart treffen die jetzt hinzugekommenen Kürzungen die freie Kulturszene, für die es oft existenzbedrohend wird. Andrea Schlehwein, Leiterin einer Plattform für zeitgenössischen Tanz und Kunst, wünscht sich vor allem eine schnellere Bearbeitung der Förderanträge: "Mein Antrag wurde bereits im September 2014 eingereicht und mündlich akzeptiert, auf Schriftliches warte ich bis heute."

Projekte bräuchten aber längere Vorausplanung, so Schlehwein. "Eine rechtzeitige Ablehnung des Antrags hätte mir Handlungsspielraum erlaubt." Nun aber sei alles fraglich. (Stefan Weiss, DER STANDARD, 7.4.2015)

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