Augusta oder der lange Atem der Diskriminierung

6. April 2015, 18:09
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Die üble Geschichte hinter dem Aushängeschild Masters

Augusta/Wien - "Die beste Show der Welt wird nun noch besser." Der Engländer Ian Poulter twitterte der Golfgemeinde aus dem Herzen, als ruchbar wurde, dass Tiger Woods am Donnerstag beim 79. Masters Tournament in Augusta, Georgia, abschlagen wird. Auch wenn die 39-jährige, ehemalige Nummer eins der Weltrangliste in diesem Jahr wettbewerbsmäßig erst 47 Löcher gespielt und vor zwei Monaten beim bisher letzten Turniereinsatz in Scottsdale mit 82 Schlägen die schlechteste Runde ihrer Profikarriere gespielt hat, ist der viermalige Masters-Sieger doch der Einzige, der dem Treiben an der Magnolia Lane mit seinem 18. Antreten noch um einen Deut mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen vermag.

Herrn Roberts' Postulat

Dabei war der Augusta National Golf Club (ANGC), dessen Platz der auch wegen seines Festhaltens am Amateurstatus legendäre Bobby Jones entwarf, lange Zeit ein Hort des Rassismus. "Solange ich lebe, sind die Mitglieder weiß und die Caddies schwarz", hatte Jones' Kollege und Klubmitbegründer Clifford Roberts einst postuliert. Erst als der Investmentbanker von der Wall Street 1976 den Turniervorsitz abgab, konnte Robert Lee Elder als erster Schwarzer beim Masters abschlagen. Und 13 Jahre nach Clifford Roberts' Tod, also erst 1990, fand im Fernsehmanager Ronald Townsend der erste Schwarze Aufnahme in den exklusiven Zirkel der rund 300 Klubmitglieder, die lebenslang jährlich bis zu 50.000 Dollar dafür bezahlen, Mitglied einer von Präsident Dwight D. Eisenhower nach Kräften geförderten US-Institution zu sein.

Die Kraft der Frauen

Frauen wurden im ANGC weniger offen, aber ausdauernder diskriminiert. Sie durften als Gäste im Klub spielen. Dass aber bis dahin keine Frau eingeladen worden war, Mitglied zu werden, rief zur Jahrtausendwende die National Organization for Women (NOW), die größte feministische US-Organisation, auf den Plan.

Das Masters als Klubaushängeschild ging nach massiven NOW-Kampagnen diverser Sponsoren verlustig, aber erst im Sommer 2012 wurden die ersten beiden Frauen eingeladen und aufgenommen - die ehemalige Außenministerin Condoleezza Rice und die Unternehmerin Darla Moore. Wie viele Frauen aktuell die Mitgliederliste zieren, in der Persönlichkeiten wie Warren Buffett oder George Shultz aufscheinen, ist ein gut gehütetes Geheimnis. (lü, DER STANDARD, 7.4.2015)

  • Tausende Zuseher verfolgen die Golfer, wie hier 2014 den US-Amerikaner Rickie  Fowler am dritten Loch, vom Abschlag bis zum letzten Putt.
    foto: reuters/mike segar

    Tausende Zuseher verfolgen die Golfer, wie hier 2014 den US-Amerikaner Rickie Fowler am dritten Loch, vom Abschlag bis zum letzten Putt.

  • Die Golflegende Bobby Jones hat in Augusta ein Denkmal.
    foto: epa/erik s. lesser

    Die Golflegende Bobby Jones hat in Augusta ein Denkmal.

  • Masters-Tradition: Dem Sieger hilft stets sein Vorgänger ins grüne Sakko. 2014  schlüpfte Bubba Watson hinein, Adam Scott assistierte.
    foto: reuters/jim young

    Masters-Tradition: Dem Sieger hilft stets sein Vorgänger ins grüne Sakko. 2014 schlüpfte Bubba Watson hinein, Adam Scott assistierte.

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