Fauler Konsument

Kommentar6. April 2015, 17:43
72 Postings

Energielieferant wird kaum gewechselt

Bei der Stromrechnung gibt es keine Geiz-ist-geil-Mentalität - bei der Gasrechnung auch nicht. Da können über Jahre, ja über Jahrzehnte, unverschämt hohe Preise fakturiert werden - kaum dass der Konsument reagiert. Er hält seinem Anbieter die Treue.

Seitdem es möglich ist, den Anbieter zu wechseln, wird dieses Angebot nicht rasend häufig genutzt. Energieminister und Regulator weisen regelmäßig darauf hin, dass pro Haushalt gut und gerne dreistellige Eurobeträge eingespart werden könnten. Diese Versäumnisse führen dazu, dass Energiekonzerne nach wie vor viel an Haushalten verdienen, betonen Konsumentenschützer.

Warum beim Kauf eines Liters Milch auf jeden Cent geschaut, bei Gas und Strom aber nicht nachgerechnet wird, muss mit Faulheit plus Skepsis des österreichischen Konsumenten erklärt werden. Er traut einer so großen Ersparnis einfach nicht - und oft hat er damit recht.

Es ist eine Art "Dividenden-Effekt", der da zum Tragen kommt: Wenn ein unerfahrener Bürger sein Sparbuch-Geld in einen sogenannten dividendenstarken Wert steckt, kann Folgendes passieren: Das Unternehmen, das jahrelang regelmäßig generöse Ausschüttungen tätigte, stellt diese ein.

Entscheidungen in die Zukunft basieren auf Erfahrungen der Vergangenheit. Das ist immer tricky. Der Konsument argwöhnt: Zuerst tut er sich die Arbeit des Wechselns an, und dann hebt der neue Anbieter den Tarif. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 7.4.2015)

Share if you care.