Jemens Huthis rechnen mit Bodentruppen

6. April 2015, 17:02
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Die Uno debattiert weiter eine Feuerpause für den Jemen, während Riad offenbar einen Bodeneinsatz vorbereitet

Sanaa/Kairo - Nach zwölf Tagen heftiger Bombardements wurden die Einwohner Sanaas am Montag zum ersten Mal einige Stunden lang verschont. Das Kommando der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition hatte dem Roten Kreuz zugesagt, mit Flugzeugen Hilfsgüter nach Sanaa bringen zu können. Dort wird die Lage der Zivilisten immer prekärer. Es fehlt an Wasser und Strom. Die Versorgung von fast 2000 Verwundeten ist sehr schwierig. Die Zahl der Toten liegt schon bei rund 500.

Auch nach Aden gelangte am Montag der erste Rotkreuztransport. Der Leiter der Operation, Robert Mardin, schilderte auf Twitter Szenen wie aus einer Geisterstadt. "Die Einwohner sind nirgendwo zu sehen, und das Ausmaß der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher."

Straßenkämpfe in Aden

Tatsächlich toben die heftigsten Gefechte seit Tagen in Aden. Dabei gab es mehr als 50 Tote, darunter viele Zivilisten. Aden werde für die Huthi-Rebellen zu einem "Stalingrad", hatte ein Regierungsberater vorausgesagt.

Die Hafenstadt im Süden ist die letzte Bastion des nach Saudi- Arabien geflüchteten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Trotz intensiver Luftschläge haben die Huthis und die mit ihnen verbündeten Loyalisten von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh dort zuletzt an Boden gewonnen. Hadi entließ deshalb am Wochenende die Spitzen wichtigster Armeeverbände. Die Militärkoalition will vor allem verhindern, dass die Huthis den Hafen unter ihre Kontrolle bringen können.

Luftschläge "zur Stabilisierung"

Der Uno-Sicherheitsrat wollte am Montagabend (Ortszeit New York) erneut über einen russischen Vorschlag beraten, der eine humanitäre Feuerpause in Aden vorsieht, damit die Bevölkerung effizienter versorgt werden kann.

Über den Hafen von Aden könnte der Aufmarsch von Bodentruppen erfolgen. Erste saudische Spezialeinheiten sind bereits vor Ort, um die Luftangriffe zu koordinieren. Die sollen der Stabilisierung des Jemen dienen, wiederholt der saudische Militärsprecher Ahmed Asiri immer wieder.

Sowohl die schiitischen Huthi-Rebellen, die in den letzten Monaten die Kontrolle über den Jemen übernommen hatten, als auch Saudi-Arabien zeigen sich offen für Gespräche. Die Huthis verlangen aber die Einstellung der Luftangriffe. Sie haben auch Ägypten zugesagt, dass sie den Schiffsverkehr an der Meerenge von Bab al-Mandab Richtung Suezkanal nicht behindern würden.

Ägyptens "Vietnamerfahrung"

Auch wenn die saudische Militärführung keine klaren Aussagen über eine Bodenoffensive macht: Entsprechende Vorbereitungen sind bei en Verbündeten unverkennbar. Das betrifft vor allem die Länder mit den größten Armeen: Ägypten und Pakistan - dort wurde am Montag im Parlament darüber debattiert, ob man der saudischen Bitte nach militärischer Unterstützung nachkommen soll.

In Ägypten hat Präsident Abdelfattah al-Sisi seine Landsleute bereits auf einen solchen Fall vorbereitet: Er stellte klar, dass jetzt die Voraussetzungen andere seien als in den 1960er-Jahren, als Ägypten in einen jemenitischen Bürgerkrieg eingegriffen und dort sein Vietnam erlebt hatte.

Sisi betonte, heute gelte es, die Golf-Brüder zu schützen; die arabische nationale Sicherheit könne nur von Arabern selbst - und zwar gemeinsam - verteidigt werden. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 7.4.2015)

  • Huthis bei einer Kundgebung in Sanaa gegen die von Saudi-Arabien angeführten Luftschläge.
    foto: reuters / khaled abdullah

    Huthis bei einer Kundgebung in Sanaa gegen die von Saudi-Arabien angeführten Luftschläge.

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