ORF entscheidet in dieser Woche über Frühstücksfernsehen

6. April 2015, 13:17
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Salzburger Landesdirektor: "Werde nicht Chef" einer Morgenschiene - Mehr Länderinfo im Vorabend wieder Thema

Wien - Der Salzburger ORF-Landesdirektor Roland Brunhofer will nicht Chef des neuen ORF-Frühstücksfernsehens werden. Dies erklärte Brunhofer, der das ORF-Projekt "Guten Morgen Österreich" leitet und darüber hinaus als möglicher Informationschef des Senders im Gespräch ist, den "Salzburger Nachrichten".

"Bleibe ORF-Landesdirektor...

Zugleich heizte Brunhofer neuerliche Personalspekulationen um seine Person an. Die Funktionen des Landesdirektors sowie des Sendungschefs des ORF-Frühstücks-TV würden sich ausschließen, erklärte Brunhofer. "Ich bin lediglich Projektleiter. Sobald die Sendung on air geht, werde ich damit nichts mehr zu tun haben. Ich werde nicht Frühstücks-TV-Chef. Ich bin Landesdirektor in Salzburg und das bleibe ich auch."

... wenn das Unternehmen mit mir nichts anderes vorhat"

Einen Wechsel nach und in eine zentrale Funktion in Wien nach Ablauf seiner Amtsperiode Ende 2016 schloss Brunhofer in den SN aber nur halbherzig aus. "Ich werde mich auch um eine zweite Amtsperiode in Salzburg bewerben ... wenn das Unternehmen mit mir nichts anderes vorhat."

"Gräuelpropaganda"

Gegen eine mögliche Bestellung Brunhofers zum zentralen Chefredakteur oder Informationschef gibt es schon jetzt heftigen Widerstand unter ORF-Journalisten. "ZiB 2"-Sendungschef Wolfgang Wagner warnte etwa erst vor wenigen Wochen vor Leuten, "die davon reden, die 'ZiB 2' müsse man in den Griff bekommen" und spielte damit auf die kolportierten Personalpläne an. Brunhofer sprach damals von "Gräuelpropaganda" und "Dämonisierung".

"Leide nicht an Größenwahn"

Gegenüber den "Salzburger Nachrichten" erklärte Brunhofer nun: "Wenn der Generaldirektor das will, werde ich mir überlegen, ob ich mir so eine Position zutraue. Denn ich leide nicht an Größenwahn." Dass aber immer dann, wenn im ORF ein Job zu besetzen sei, sein Name auftauche, nerve ihn. "Damit werden auch Leute madig gemacht und ramponiert."

Neben Brunhofer wurden in den vergangenen Wochen auch der oberösterreichische Landesdirektor Kurt Rammerstorfer, Newsroom-Projektleiter und Programmentwickler Stefan Ströbitzer sowie Fernseh-Chefredakteur Fritz Dittlbacher als mögliche Kandidaten für den Posten des Informationsdirektors gehandelt, den ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz für spätestens 2017 im Auge hat.

"Parteipolitischer Stempel"

ORF-Finanzdirektor Richard Grasl nannte die aktuellen Personalspekulationen vergangene Woche in einem Interview mit den SN "im ORF leider systemimmanent". Es sei viel zu früh, darüber zu diskutieren. Punkto Brunhofer meinte Grasl: "Sehen wir es einmal rein sachlich: Wenn es für Brunhofer eine wichtige Funktion gibt, muss man wohl darüber nachdenken. Aber diese Frage muss er wohl vorher für sich selbst beantworten."

Den Umstand, dass ORF-Mitarbeiter, die einen Karrieresprung machen, sofort mit einem "parteipolitischen Stempel" versehen werden, kritisierte Grasl. Sein Wechsel aus der Chefredaktion des ORF-Landesstudios Niederösterreich in die ORF-Finanzdirektion mit vorzeitiger Ablöse Sissy Mayerhoffers wurde 2009 ebenfalls als dringender Wunsch der ÖVP Niederösterreich beschrieben.

Zu Brunhofer sagt Grasl nun: "Das muss Brunhofer selbst entscheiden, ob er seine politische Entscheidung vor sich herträgt oder nicht. Entscheidend ist, was auf Sendung geht." Brunhofer hatte sich zuletzt gegenüber der APA selbst als Sozialdemokraten, aber unabhängigen Journalisten bezeichnet.

Klausur über Frühstücksfernsehen

Während die Entscheidungen in Sachen ORF-Personal also noch etwas dauern dürften - die nächste Wahl des ORF-Direktoriums erfolgt nach derzeitigem Stand im August/September 2016 -, soll es in Sachen Frühstücksfernsehen schon in dieser Woche zur Sache gehen. In einer Klausur soll die ORF-Führung (DER STANDARD berichtete) über "Guten Morgen Österreich" entscheiden - und wie der ORF es anlegt.

Geplant war es zunächst stark regionalisiert - laut Konzept von Projektleiter Brunhofer sollte sich die Sendung mit einem mobilen Studio in einem Truck täglich aus einer anderen Gemeinde Österreichs melden, den Landesstudios wäre dabei eine tragende Rolle zugekommen. Die Fernsehinformation sollte überregionale Informationen für die Morgenschiene übernehmen. Schon in der Sitzung der Landesintendanten vor einem Monat erwog ORF-General Alexander Wrabetz, das Projekt bei der TV-Information (Chefredakteur Fritz Dittlbacher) anzusiedeln.

Regionalinfo in den Vorabend

Finanzdirektor Grasl brachte in der Sitzung der Landesdirektoren vor einem Monat wie berichtet auch die Überlegung wieder auf, mehr Regionalinformation im - schwächelnden - Vorabend von ORF 2 zu platzieren statt am Morgen. Grasl nun in den SN: "Ich halte die Idee an sich, die Regionen prinzipiell noch stärker in die ORF-Berichterstattung einzubinden, für eine sehr gute - die Frage ist, ob die Frühsendung dafür der ideale Platz ist."

Das Konzept, mit mobilem Studio und Truck aus österreichischen Gemeinden zu berichten, fänden manche ORF-Verantwortliche in der Vorabendschiene "heute leben" besser aufgehoben, heißt es im ORF. Um die Zeit könnte sich auch auf den Hauptplätzen österreichischer Gemeinden etwas mehr tun als in aller Herrgottsfrüh.

Frühstück zum Nationalfeiertag

Die Kosten für das ORF-Frühstücksfernsehen dürften sich wie berichtet auf fünf Millionen Euro pro Jahr belaufen, auch sechs bis sieben Millionen fielen intern schon. Starten soll das neue Format "in der Nähe des Nationalfeiertags", so Grasl in den SN - wie schon Alexander Wrabetz im Publikumsrat vor zwei Monaten.

Keine Bange vor "Servus Krone"

Keine Angst zeigt der ORF-Finanzchef übrigens vor der Ende April startenden Bundesländer-Informationssendung "Servus Krone", die der Privatsender Servus TV gemeinsam mit der "Kronen Zeitung" produziert und die gegen das ORF-Format "Bundesland heute" programmiert werden soll.

Grasl: "Es haben schon viele versucht, den ORF im Vorabend anzugreifen. Viele sind gescheitert. Ein Unternehmen von der Stärke des ORF sollte sich nicht nach der Konkurrenz ausrichten. Wir schauen da nicht viel nach links und rechts. Der Umfang des Projekts mit 40 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von etwa sieben Mill. Euro ist aber beachtlich. Ich glaube, dass alles, was Servus TV und 'Kronen Zeitung' machen, ernst zu nehmen ist. Das wird spannend. Wir haben aber keine Angst vor der Konkurrenz." (APA, red, derStandard.at, 6.4.2015)

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