Causa Alijew: Doppelmord-Prozess ohne Hauptangeklagten

6. April 2015, 08:16
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Nach Rakhat Alijew mutmaßlichem Selbstmord soll angebliche Beteiligung zweier Mitangeklagter an Entführung und Ermordung zweier kasachischer Banker geklärt werden

Wien - Ohne den Hauptangeklagten beginnt am 14. April im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts der Prozess um die Entführung und Ermordung zweier kasachischer Banker, die am 9. Februar 2007 in ihrer Heimat ums Leben gebracht wurden. Dafür verantwortlich soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft Wien der ehemalige kasachische Botschafter in Wien, Rakhat Alivey, gewesen sein.

Der 54-Jährige kann allerdings nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Der Ex-Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbayev wurde am 24. Februar 2015 erhängt in seiner Zelle in der Justizanstalt Wien-Josefstadt aufgefunden. Die Behörden gehen von Selbstmord aus, offiziell bestätigt ist diese Todesursache, an der die Angehörigen und die langjährigen Rechtsvertreter Alijews erhebliche Zweifel haben, allerdings noch nicht.

Mindestens 26 Verhandlungstage

Damit verbleiben auf der Anklagebank noch der frühere Chef des kasachischen Geheimdienstes KNB, Alnur Mussayev (61), und Vadim Koshlyak (42), der einst bei der kasachischen Präsidentenwache beschäftigt war. Sie stehen im Verdacht, teils als Beitragstäter, teils im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Alivey zwei Manager der Nurbank - die Familienväter Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov - entführt, misshandelt und zum Rücktritt als Vorstandsvorsitzende der Bank gezwungen zu haben. Ehe man ihnen Plastiksäcke über den Kopf zog und sie erdrosselte, soll man die beiden auch noch zur Übertragung von Aktienpaketen und von Eigentumsanteilen an einem Bürogebäude genötigt haben. Timraliyev und Khasenov mussten laut Anklage zudem Schriftstücke mit falschen Geständnissen unterschreiben, in denen sie sich diverser Finanzdelikte bezichtigten.

Für den Schwurprozess (Vorsitz: Andreas Böhm) sind mindestens 26 Verhandlungstage veranschlagt. Mehr als 90 Zeugen sind geladen, die Großteils aus Kasachstan anreisen werden. Einige von ihnen sitzen jedoch in Kasachstan in Haft - weil die kasachischen Behörden befürchten, sie könnten in Österreich um Asyl ansuchen, erhalten sie keine Reisegenehmigung. Mit ihnen soll daher eine Befragung im Weg einer Videokonferenz durchgeführt werden.

Auslieferungsbegehren abgelehnt

Die Verhandlung findet deshalb in Österreich statt, weil die heimischen Behörden ein kasachisches Auslieferungsansuchen abgelehnt haben. Daher wurde ein sogenanntes Inlandsverfahren durchgeführt.

Trotz Alijews Ableben rechnet das Straflandesgericht mit enormem Medieninteresse. So haben sich bereits eine Reihe von ausländischen Pressevertretern angesagt, weshalb der Große Schwurgerichtssaal, an dem in den ersten drei Tagen verhandelt wird, ehe man in den Saal 303 wechselt, bereits um 8.15 Uhr geöffnet wird. Ein Akkreditierungsverfahren ist nicht vorgesehen, die Sitzplätze werden nach Maßgabe der vorhandenen Kapazitäten vergeben. Besucher müssen sich auf erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gefasst machen: Zusätzliche mobile Sicherheitsschleusen im Eingangsbereich sollen einen ungestörten Verhandlungsverlauf garantieren.

Ausgeschrieben ist die Verhandlung bis zum 19. Juni. Ob der Termin für die Urteilsverkündung halten wird, ist aber mehr als fraglich. Es ist davon auszugehen, dass seitens der Verteidiger weitere Beweisanträge eingebracht werden. (APA, 6.4.2015)

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