Lawinen: Tiroler überlebte Abgang, Gefahrenlage entspannt sich

4. April 2015, 09:33
3 Postings

Überlebende von Lawinenunglück in Frankreich zurückgekehrt - Vor zwei Wochen in Salzburg Verschütteter starb in Spital - In Österreich wird weiterer Neuschnee erwartet

Bregenz/Innsbruck - Einen Lawinenabgang am 2.311 Meter hoch gelegenen Schartenkogel in den Tuxer Alpen südöstlich der Tiroler Landeshauptstadt hat am Freitagnachmittag ein Innsbrucker überlebt. Der 60-Jährige wurde von den Schneemassen rund 300 Meter mitgerissen. Er alarmierte einen Notarzthubschrauber, der den Verunglückten ins Krankenhaus flog.

Der Unfall ereignete sich bei der Abfahrt vom Gipfel, als nach wenigen Schwüngen am Grat eine Schneewechte brach und den Tiroler in Richtung Voldertal mitriss. Dem 60-Jährigen gelang es, an der Oberfläche zu bleiben. Der Versuch, zu einer Alm abzusteigen misslang aber. Wegen der Schwere seiner Verletzungen musste der Verunglückte im Krankenhaus stationär aufgenommen werden.

Überlebende kehrten zurück

Jene sieben Mitglieder einer Alpinistengruppe, die ein Lawinenunglück mit drei Toten und einem Schwerstverletzten in den französischen Alpen überlebt haben, sind in der Nacht auf Karsamstag zu ihren Familien in Österreich und Bayern zurückgekehrt. Dies teilte OeAV-Generalsekretär Robert Renzler der APA mit. Der Zustand des im Krankenhaus von Grenoble behandelten schwerst verletzten Osttirolers sei "stabil", hieß es. Nach Angaben seiner Familie, die an Ort und Stelle ist, sei sein Zustand "stabil". An einen Rücktransport bzw. eine Verlegung in eine österreichische Klinik sei derzeit nicht zu denken, sagte Renzler.

Zwei vom OeAV zur Unfallstelle geschickten Bergführer, die am Freitag sich ein Bild an Ort und Stelle im Ecrins-Massiv gemacht hätten, hätten die Schilderungen der übrigen Gruppenmitglieder bestätigt, berichtete Renzler. Es habe sich um ein "sehr hartes Schneebrett" gehandelt, der Unfall sei nicht vorhersehbar gewesen. Auch die französischen Ermittlungen hätten dieses Bild bestätigt, sagte der OeAV-Generalsekretär.

Weiteres Opfer in Salzburg

Ein weiteres Lawinenopfer ist in Salzburg zu beklagen. Zwei Wochen nach einem schweren Lawinenunglück in Fusch an der Glocknerstraße im Salzburger Pinzgau ist Mitte dieser Woche ein 70-Jähriger aus dem Flachgau seinen Verletzungen erlegen. Der pensionierte Eisenbahner war am 17. März von einer Lawine mitgerissen und gegen einen Baum gedrückt worden. Am Mittwoch dieser Woche starb der Mann, bestätigte die Polizei am Samstag auf APA-Anfrage.

Fünf Tourengeher aus Salzburg, Oberösterreich und Bayern wollten am 17. März oberhalb des verlassenen Kurorts Bad Fusch zum Klemerbrettkopf aufsteigen. Drei von ihnen gingen voraus, als sich unterhalb von ihnen auf rund 1.700 Meter Seehöhe ein etwa 200 mal 400 Meter großes Schneebrett löste und die beiden Alpinisten, die sich noch unterhalb befanden, mitriss. Der Flachgauer wurde von den Schneemassen zum Teil verschüttet und gegen einen Baum gedrückt. Er erlitt schwerste Beinverletzungen, konnte aber noch einen Notruf absetzen.

Die zweite Verschüttete, eine 50-Jährige aus Bayern, wurde von einem Suchhund erst nach rund 90 Minuten entdeckt und von den Hilfsmannschaften geborgen. Die Frau hatte riesiges Glück: Sie war in einem Hohlraum zu liegen gekommen und überlebte schwer unterkühlt. Beide Opfer wurden in Spitäler geflogen, wo der 70-Jährige am Mittwoch starb.

Lawinengefahr nun auf Stufe "3"

In Österreich hat sich indessen die Lawinengefahr am Karsamstag entspannt. Auf der fünfteiligen Gefahrenskala wurde der Wert "3" erreicht, teilten die Experten Tirols und Vorarlbergs in Aussendungen mit. Die Meteorologen prognostizierten für den Westen Österreichs weiteren Neuschnee.

In Tirol hieß es, dass ältere Triebschneeansammlungen sich meist nur noch bei großer Zusatzbelastung als Lawine auslösen ließen. Bei den im Tagesverlauf neu gebildeten, eher kleinen Triebschneepaketen reiche dagegen meist kleine Zusatzbelastung, also schon ein einzelner Wintersportler. Gefahrenstellen lägen in sehr steilen Hängen und Kammlagen aller Expositionen oberhalb etwa 2.200 Metern.

Die Vorarlberger Lawinenexperten verwiesen auf Gefahrenstellen für trockene Lawinen vor allem oberhalb von 2.200 Metern, in Steilhängen und generell in eingewehten Rinnen und Mulden. Ältere Gefahrenstellen würden überschneit und seien schwierig zu erkennen. In Bereichen mit durchfeuchteter Schneedecke, also unterhalb 2.000 Metern, oder an glatten, in der vergangenen Niederschlagsperiode eingeschneiten Grashängen, seien trotz tiefer Temperaturen weiterhin Gleitschneeausbrüche möglich. (APA, 4.4.2015)

Share if you care.