US-Firmen zapfen Europas Bondmarkt an

4. April 2015, 11:00
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US-Konzerne kommen im Euroraum günstig an frisches Geld

Frankfurt - Ob Coca-Cola, Kellogg's oder der Telekomriese AT&T - immer mehr US-Konzerne zapfen den europäischen Bondmarkt an, weil sie wegen der ultraniedrigen Zinsen hierzulande besonders günstig an frisches Geld kommen. Die Investoren freut's, schließlich werfen Eurobonds von US-Unternehmen Experten zufolge in der Regel etwas mehr ab als Anleihen von europäischen Wettbewerbern mit gleicher Bonität.

Debütaufschlag

"Viele US-Firmen zahlen eine Art Debütaufschlag, wenn sie erstmalig mit Euroanleihen vorstellig werden", sagt Rüdiger Neeb, Credit-Analyst bei der WGZ Bank. "Mit der höheren Rendite versuchen die Konzerne die Skepsis, die Anleger bei nicht so vertrauten Unternehmen haben, zu überwinden." So liegt die Verzinsung für einen Eurobond von AT&T bei 1,3 Prozent, und damit etwa 50 Basispunkte höher als bei einem Papier des französischen Telekomkonzerns Orange - beide Anleihen laufen bis März 2023, beides sind Bonds guter Bonität. Noch etwas größer sind die Rendite-Chancen, wenn US-Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe Eurobonds auflegen. Eine Anleihe des Pipeline-Konzerns Kinder Morgan mit siebenjähriger Laufzeit wirft zum Beispiel knapp 1,5 Prozent ab.

Nachfrage

In Zeiten, in denen wirklich hohe Renditen zu annehmbaren Risiken kaum noch zu finden sind, machen solche Zahlen Anlegerherzen glücklich. "Investoren suchen händeringend nach Möglichkeiten, ihr Geld am Bondmarkt noch halbwegs gewinnbringend anzulegen", sagt LBBW-Analyst Thomas Klee. Die hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen und die ultraniedrige Verzinsung im Euroraum von derzeit 0,05 Prozent haben die Renditen der Papiere in den vergangenen Jahren deutlich abrutschen lassen. Vor allem Anleihen von europäischen Konzernen mit einer Top-Bonitätsnote werfen kaum noch etwas ab - so rentiert eine neunjährige Anleihe des Softwarekonzerns SAP, die bei der Ratingagentur S&P mit "A" bewertet wird, gerade einmal bei 0,8 Prozent.

Eurobonds von US-Unternehmen dürften laut Experten daher zunehmend als Alternative wahrgenommen werden und im Volumen weiter anziehen. Laut WGZ Bank machen diese Papiere seit Anfang 2015 bereits mehr als 20 Prozent aller neuen Euroanleihen aus. 2014 lag der Anteil in den ersten drei Monaten des Jahres nur bei knapp zehn Prozent.

Blick über den großen Teich

Um dem Anlagenotstand im Euroraum zu entkommen, kann sich aber auch der Blick über den großen Teich lohnen. Geben europäische Unternehmen wie der Wohnungskonzern Deutsche Annington oder die spanische Telefónica Dollar-Anleihen (sogenannte Yankee-Bonds) aus, sind ebenfalls Renditeaufschläge zu vergleichbaren Eurobonds hierzulande zu verzeichnen. Nicht zu verachten seien dabei allerdings die hohen Kosten zur Absicherung des Währungsrisikos, sagt LBBW-Analyst Klee. Aus Sicht von Josef Helmes von Standard Life Investments sind allerdings immer mehr Investoren dazu bereit, auch solche Wege zu gehen, weil die Renditemöglichkeiten im Euroraum einfach ausgeschöpft sind. (Reuters, Daniela Pegna, DER STANDARD, 4.4.2015)

  • Coca-Cola tut es, Kellog's auch - immer mehr US-Unternehmen begeben in Europa Anleihen.
    foto: ap / pat wellenbach

    Coca-Cola tut es, Kellog's auch - immer mehr US-Unternehmen begeben in Europa Anleihen.

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