Britischer TV-Wahlkampf: Camerons zynisches Kalkül

Kommentar3. April 2015, 17:32
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Das zynische Kalkül der Konservativen ist aufgegangen

Standhaft hat sich Premier David Cameron dem direkten TV-Duell mit seinem Labour-Herausforderer Edward Miliband verweigert. Am Gründonnerstag trafen die beiden Kandidaten zwar in einem Fernsehstudio aufeinander, waren aber eingerahmt von fünf anderen Parteivorsitzenden. Wie erwartet endete der Schlagabtausch mit einem Unentschieden; Klarheit über die alternativen Zukunftsentwürfe für Großbritannien brachte er nicht.

Apologeten des unergiebigen Spektakels nannten hinterher zwei Pluspunkte: das breite Spektrum von Meinungen sowie die Präsenz von Frauen in der sonst von den Männern der Großparteien dominierten Politik. Beides ist für eine pluralistische Gesellschaft erfreulich. Freilich blieb offen, was Regionalparteien aus Wales und Schottland in einer landesweiten Debatte zu suchen hatten. Sie stehen für Engländer, die große Mehrheit, gar nicht zur Wahl. Dafür fehlten - ohne Begründung - die Vertreter Nordirlands.

Die Grüne sowie die beiden Nationalistinnen überboten sich gegenseitig mit Vorschlägen, wie der Staat mehr Geld ausgeben könnte; vom Abbau der Schuldenlast war kaum die Rede. Die Moderatorin ließ diese erschreckende fiskalische Inkontinenz durchgehen. Miliband musste sich der Konkurrenz von links widmen, statt den Regierungschef anzugreifen. Camerons Peiniger von rechts, der Nationalpopulist Nigel Farage, konnte kaum auftrumpfen. Das zynische Kalkül der Konservativen ist aufgegangen. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 4.4.2015)

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