Wort der Woche: Ei

4. April 2015, 17:00
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Das zum Vogel gehörige Schalending: Nicht nur zu Ostern ist das Ei ein omnipräsentes Objekt

Welcher Anlass wäre geeigneter für ein paar Zeilen über das Ei als Ostern? Das Fest und das gefärbte Schalending gehören zusammen wie Pech und Schwefel, auch wenn sich nicht mit letzter Genauigkeit erschließen lässt, weshalb dieses Naheverhältnis zustande gekommen ist. Einer verbreiteten Theorie zufolge stand das Ei bereits im Urchristentum als Symbol für erwachendes Leben. So wie das Küken die Schale durchbricht und als Licht kommt, verlässt der vom Tod erweckte Jesus das Grab.

Sprachgeschichtlich leitet sich das Ei laut Kluges Etymologischem Wörterbuch von einem indogermanischen Wort her, das mit einem alten Ausdruck für den Vogel zusammengehört: Das Ei ist offenbar als das "zum Vogel Gehörige" benannt. Damit erschöpft sich seine Bedeutungsvielfalt aber mitnichten. Es steht auch für die weibliche Keimzelle bzw. als hemdsärmeliger Ausdruck für die Hoden, ist eine Scherzbezeichnung für den Fußball (samt zugehörigem "Eiergoal") oder ein Schimpfwort für eine törichte Person.

Die Regionwendungen, denen das Ei Pate gestanden ist, sind Legion: Sich gleichen wie ein Ei dem anderen; wie auf rohen Eiern gehen; sich ein Ei legen; über ungelegte Eier reden; alle Eier in einen Korb geben; wie aus dem Ei gepellt sein; das Ei will klüger sei als die Henne usf. Und da haben wir vom Ei im internationalen Sprichwort noch gar nicht gesprochen: "Lieber ein halbes Ei als eine ganze Schale", heißt es in einem niederländischen. Das trifft natürlich Ostern ganz besonders zu. (win, DER STANDARD, 4./5.4.2015)

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    foto: apa/dpa/arno burgi
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