Akram Khan: Ein Tanz wie ein Stoßgebet

3. April 2015, 16:47
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Wiederaufnahme: Akram Khan zeigt sein hervorragendes Stück "Kaash" beim Osterfestival Tirol in der Innsbrucker Dogana

Innsbruck - Ein Titel wie ein Stoßgebet: "Wenn nur ...". Ein britischer Choreograf mit bengalischen Wurzeln, der in zwanzig Jahren eine internationale Karriere geschafft hat. Eine englische Komponistenlegende aus indischer Familie. Ein weltberühmter indischer bildender Künstler. Und fünf exzellente Tänzerinnen und Tänzer. Das ist Kaash, das erste Gruppenstück von Akram Khan zur Musik von Nitin Sawhney im Bühnenbild von Anish Kapoor.

Zum Abschluss des Osterfestivals Tirol kommt damit eine echte Besonderheit auf die Bühne der Innsbrucker Dogana. Die Fassung der Premiere am 28. März 2002 erlebte bis zum Ende ihrer Tournee 2004 mehr als 130 Aufführungen. Im Vorjahr hat sich Khan für eine Wiederaufnahme entschieden. Damit folgt er einem Trend, den es im Gegenwartstanz erst seit relativ kurzer Zeit gibt: Choreografinnen und Choreografen studieren Werke früherer Schaffensperioden ein und machen sie so wiedererlebbar. Mit Kaash tut Khan das nun zum ersten Mal.

Berühmt geworden ist der heute 40-Jährige durch seine virtuose Verschränkung von indischem Kathak-Tanz mit modernen westlichen Tanzformen. Im künstlerischen Diskurs zur postkolonialen Gegenwart ist er damit Ende der 1990er-Jahre genau rechtzeitig gekommen. Akram Khan hat stets auch künstlerische Entscheidungen getroffen, die sich als goldrichtig erwiesen. Auch Kooperationen mit Berühmtheiten wie Kapoor oder Hanif Kureishi, Juliette Binoche und Kylie Minogue haben ihm nicht geschadet. Zu prominenten Kunstschaffenden pflegt er ein entspanntes Verhältnis, seit er bereits als Teenager mit Pandit Ravi Shankar und in Peter Brooks The Mabharata internationale Auftritte hatte.

Kaash ist eine Stunde Tanz, die man nicht so schnell vergisst. Die aufregenden Rhythmen der Musik - inklusive Spectre von John Oswald -, das Unheimliche in Kapoors visuellem Setting sowie die Präsenz und Energie der Tänzer (Khan selbst tanzt in der Wiederaufnahme nicht mehr mit) machen diese Darstellung des hinduistischen Schöpfungsgedankens zu einem echten Erlebnis. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 4.4.2015)

5. 4., Congress, 20.15

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Osterfestival

  • Der britische Choreograf Akram Khan hat bengalische Wurzeln. Mit "Kaash" bringt er eine Darstellung des hinduistischen Schöpfungsgedankens auf die Bühne.
    foto: jean-louis fernandez

    Der britische Choreograf Akram Khan hat bengalische Wurzeln. Mit "Kaash" bringt er eine Darstellung des hinduistischen Schöpfungsgedankens auf die Bühne.

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