Für 68 Prozent hat die Kirche keine Glaubwürdigkeit mehr

4. April 2015, 08:00
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Nur vier von zehn Österreichern bezeichnen sich selbst als gläubig, knapp gleich viele glauben an Tod und Auferstehung Jesu Christi

Linz - Gibt es einen Himmel? Kommt man dorthin, wenn man fromm ist und Gutes tut? Nein, daran mögen 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher nicht glauben - wobei die ablehndende Haltung in allen Bevölkerungs- und Bildungsschichten ähnlich ausgeprägt ist. Die Zustimmung ist etwas stärker differenziert, jüngere Befragte glauben dreimal so stark an den Himmel wie Menschen über 50. Aber insgesamt ist der Glaube an die Existenz eines himmlischen Jenseits mit 14 Prozent sehr bescheiden ausgeprägt.

Umgekehrt: Kommt, wer Böses tut, in die Hölle? Diese Idee wird sogar von 70 Prozent verworfen. Nur jeder zehnte Befragte in der aktuellen STANDARD-Umfrage des Linzer Market-Instituts unter 419 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten glaubt an die Hölle. Wiederum sind es am ehesten die Jüngeren, die eine Vorstellung von der Hölle haben.

Jeder Fünfte hat buddhistische Vorstellungn

Da ist selbst der Glaube an die Wiedergeburt - eine der christlichen Religion fremde, im Hinduismus und Buddhismus aber fest verankerte Vorstellung - weiter verbreitet: 19 Prozent glauben an diese Form des Weiterlebens, nur 46 Prozent lehnen den Glauben daran überhaupt ab.

68 Prozent der Österreicher – Frauen noch stärker als Männer – stimmen der Aussage zu, dass die katholische Kirche ihre Glaubwürdigkeit verloren habe. Am ehesten sind noch die ÖVP-Wähler mit der Kirche verbunden.

Aufschwung der Kirche mit Papst Franziskus

Allerdings sagen 61 Prozent auch, dass es mit Papst Franziskus mit der Kirche wieder aufwärts gehe – auch das wird von Wählern der ÖVP überdurchschnittlich stark wahrgenommen. Auffallend: Junge Befragte nehmen den Aufschwung unter Franziskus in viel geringerem Maße wahr.

"Die religiösen Vorstellungen der Österreicher sind äußerst diffus, mehr als die Hälfte der Befragten sagt, dass Reliogion mehr mit Tradition als mit Spiritualität zu tun hat", sagt Werner Beutelmeyer, Chef des Makret-Instituts. Völlig a-religöis seien aber nur ein Viertel bis ein Drittel der Befragten, je nach Fragestellung. Der Aussage "Mit dem Tod endet das Leben, danach kommt gar nichts" stimmen 33 Prozent zu - besonders ältere Befragte (die sich wohl öfter mit dem Gedanken an den eigenen Tod befassen) sowie Anhänger der SPÖ und der Neos

"Ein bisserl Respekt vor Gott", sagt der Meinungsforscher

Fragt man, ob es denn kein Leben nach dem Tod und keinen Gott gibt, dann reduziert sich die Zustimmung auf 24 Prozent, stellt Beutelmeyer fest: "Ein bisserl Respekt vor Gott haben auch die, die mit Religion nicht viel am Hut haben - obwohl nur 41 Prozent von sich sagen, dass sie selber gläubige Menschen sind. Mehr als doppelt so viele glauben aber, dass Religiosität vielen Menschen Halt gibt. Man zimmert sich sein Gottesbild und seine Vorstellungen des Jenseits selbst zusammen."

Dazu gehört auch, dass neun von zehn Befragten meinen, dass man auch ohne Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft religiös sein könnte - und mehr als jeder Zweite sagt, man brauche keine Religion, wenn man an das Gute im Menschen glaube. Besonders stark ist diese Haltung bei Menschen mit geringer Bildung und ausgeprägt und sie findet in den Anhängerschaften unterschiedlicher Parteien deutlich unterschiedliche Zustimmung: Nur Anhänger der ÖVP und politisch Indifferente Befragte lehnen den Ersatz der Religion durch den Glauben an das Gute im Menschen ab. Die katholische Kirche kann da wenig ausrichten: 68 Prozent sagen, sie hätte ihre Glaubwürdigkeit verloren. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 4.4.2015)

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