Keine Scherze mit dem Schnitzel!

4. April 2015, 08:09
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Ein Dolchstoß in den Rücken des Heimatschützers H.-C. Strache - mit einem Brösel Wahrheit

Man soll die Dummheit und Borniertheit anderer Menschen nicht zuerst mobilisieren, um sie dann öffentlich vorzuführen. Schon gar nicht in der allerheiligsten Karwoche. Und dann lässt sich ausgerechnet "Die Presse" zu einem solchen Akt unchristlicher Nächstenbloßstellung hinreißen. Die Redaktion hätte wissen müssen, was sie mit ihrem Bericht vom 1. April Der Panier droht ein EU-Verbot in einem selbstlosen Patrioten und wackeren Kämpfer für die echten Österreicherinnen und Österreicher anrichtet.

Heftige Speichelabsonderung ...

Nämlich nicht mehr und nicht weniger als das unmittelbare Einsetzen des Pawlowschen Reflexes im Adressaten - heftige Speichelabsonderung, hervorgerufen nicht durch den Gedanken an ein Wiener Schnitzel, sondern, viel wirksamer, an eine EU, die laut "Presse" eine Änderung der Rezeptur von österreichischen Traditionsspeisen empfiehlt. Das lesen zu müssen, sich ins Facebook zu stürzen und mit den Worten "Jetzt drehen sie völlig durch" die eigene Befindlichkeit der Europäischen Union zu unterstellen war eines.

... des Heimatschützers H.-C. Strache

Was "Die Presse" da getan hat, war ein Dolchstoß in den Rücken des Heimatschützers H.-C. Strache, ein krasser Fall von Wehrkraftzersetzung in dessen Ringen gegen die Brüsseler Bürokratie. Die Reaktionen der Medien am nächsten Tag ließen daran keinen Zweifel. "EU will Wiener Schnitzel verbieten" - Strache fällt auf April-Scherz rein, brachte "Österreich" auf Seite 1, glücklich, einen noch Dümmeren gefunden zu haben. Gut gemacht - doch spätestens wenn "EU-Expertin Evelyn Pork" den Wechsel zum Putenschnitzel propagiert, sollte man draufkommen. Erst 17 Minuten später schrieb der FPÖ-Chef dazu: "... oder ein schlechter Aprilscherz". Der Groschen war gefallen. Hätte die EU-Expertin Evelyn Panier geheißen, hätte der Groschen vielleicht nur 15 Minuten gebraucht.

Ein Brösel Wahrheit

Der "Presse" zu Ehren ist festzustellen, dass sie sich in der Rolle einer Aprilscherzerin selber nicht ganz wohlfühlte. Am 2. April brachte sie auf Seite 1 einen Kasten, in dem sie unter dem Titel Aprilscherz Schnitzelverbot auch die eigenen Leser zu beruhigen suchte. Wer gestern die "Presse" gelesen und geglaubt hat, dass die EU auch noch die Zubereitung des Wiener Schnitzels verbietet, ist einem kleinen Aprilscherz aufgesessen. Auch Heinz-Christian Strache. Sie berief sich dabei auf dessen ureigenste Methoden: Ähnlich wie bei vielen EU-Mythen haben wir aus einem Körnchen Wahrheit eine Falschmeldung produziert.

Darauf musste er ja hereinfallen. Wie sollte er auch die Absicht des Blattes durchschauen: Mit diesem Scherz wollten wir eine differenzierte Betrachtung anregen. Ob das an ihm gelingen kann, wird die Zukunft weisen.

Zweifel äußerte die "Kleine Zeitung", die dem Verteidiger der heimischen Brösel-Zitadelle empfahl: Man sollte, leichtgläubig, wie Sie sind, den 1. April sofort abschaffen. Oder?

Wer solches Los mit einem Strache teilt

Säuerlich reagierte hingegen Doris Knecht im "Kurier". Verständlich, ist ihr doch Peinliches unterlaufen. Dass HC Strache und Ihre Kolumnistin einmal das Gleiche erleben und ihnen Ähnliches zustößt, ist eher selten. Aber heute hatte ich bereits eine halbe Kolumne über das drohende Schnitzel-Panier-Verbot geschrieben ... doch: Dann fiel mir das Datum auf. 1. April. Alles klar, reingefallen.

Wer solches Los mit einem Strache teilt, sucht natürlich nach der Schuldigen, die ihr das eingebrockt hat, und Knecht wird fündig: Und auch wenn die "Presse" unter den Scherz-Artikel schließlich einen deutlichen Hinweis setzte, bleibt die Frage, ob richtige, echte Zeitungen wirklich mit Scherzen, mit Falschmeldungen aufmachen sollten. Auf die Gefahr hin, dass das jetzt alles wahnsinnig humorlos und verbiestert klingt, aber Humor ist eben eine ernste Sache. Wenn sich "Die Presse" das nur für den nächsten 1. April zu Herzen nimmt!

Feingefühl für Strache

Für die "Krone" stellte sich das Problem, das Grundanliegen, das sie mit Strache teilt, mit möglichst geringem Schaden für diesen zu retten. Sie versuchte es so: Es war ein Aprilscherz in der "Presse"! Das Traurige daran: Viele trauen der EU diesen Schildbürgerstreich, ein Verbot unserer Schnitzelpanier wegen möglicher allergischer Inhaltsstoffe, durchaus zu. Die "Krone" und ihr Valentin sogar noch viel mehr.

Also schrieb Michael Jeannée einen Trostbrief an das Liebe Wiener Schnitzel, in dem er das Kunststück zuwege brachte, Strache mit keinem Wort zu erwähnen. "Die Presse" scherzte. Und das so geschickt, dass man durchaus hereinfallen konnte.

Das nennt man Feingefühl. (Günter Traxler, DER STANDARD, 4.4.2015)

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