Wien wird wieder zum Zentrum der Geowissenschaften

3. April 2015, 14:48
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12.000 Wissenschafter treffen einander bei Generalversammlung von Erdwissenschafter-Verband

Wien - Seit 2005 findet die Generalversammlung der "European Geosciences Union" (EGU) alljährlich in Wien statt. Von 12. bis 17. April treffen einander heuer im Rahmen der weltweit zweitgrößten Konferenz auf diesem Gebiet 12.000 Experten aus rund 100 Nationen. Das Motto dieses Jahres lautet "A voyage through scales - eine Reise durch Skalen".

Damit will man die enorme Bandbreite an Forschungsthemen auf verbindende Elemente herunterbrechen, nämlich die methodischen Fragestellungen. "Man kann sich Wasserbewegungen auf mikroskopischer Ebene - also die einzelnen Moleküle - anschauen. Oder man betrachtet die ganze Erde - je nachdem, wie 'genau' man schaut, erkennt man unterschiedliche Dinge", erläuterte EGU-Präsident Günter Blöschl gegenüber der APA. "Das gilt nicht nur für Wasser, sondern für alle Prozesse, die auf der Erde passieren. Die methodischen Fragestellungen sind da zwischen den einzelnen Disziplinen sehr ähnlich", sagte der Leiter des Instituts für Wasserbau und Ingenieurhydrologie an der Technischen Universität (TU) Wien.

Forschungsfelder gibt es in dem Bereich viele: Sie umfassen die gesamte Atmosphäre, den Wasserkreislauf und das Sonnensystem. Geoinformatiker, Geografen und Meteorologen tummeln sich ebenso wie Geologen, Mineralogen, Hydrologen, Ozeanografen, Glaziologen und Atmosphärenforscher auf dem Kongress, der im Bezug auf seine Dimensionen in der Top-Liga der in Wien abgehaltenen internationalen Tagungen mitspiele. Eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Geowissenschaften ist Blöschl ein großes Anliegen: "Wir versuchen, den Geologen Gusto darauf zu machen, was in der Meteorologie passiert und den Glaziologen, was in der Hydrologie passiert."

"Rosetta", Geo-Engineering und Ceres

Einige der großen Themen der Konferenz sind die ESA-Mission "Rosetta", der Einfluss von Geo-Engineering, Klimaerwärmung und damit zusammenhängende Dürren und Überflutungen, die NASA-Raumsonde "Dawn" auf dem Zwergplaneten Ceres, erneuerbare Energien und CO2-Abscheidung und -Speicherung oder Veränderungen des Eisschilds auf Grönland. Für die Gesellschaft relevante Aspekte, die über unmittelbare Forschungsergebnisse hinausgehen, werden in sogenannten "Great Debates" thematisiert. "Eine davon handelt von Wasser, einem großen Thema auf der Konferenz. Die Frage lautet: Haben wir genug davon?", erläuterte Blöschl. Eine weitere Great Debate habe "Open Access" in der Wissenschaft zum Inhalt.

Neben der Wirtschaft profitiere auch die heimische Wissenschaftsszene von einer Konferenz dieser Größenordnung enorm, betonte Blöschl. Zumindest bis 2019 wird die EGU ihre Zusammenkunft durchgehend in Wien abhalten. 2014 reisten Gäste aus 106 Nationen an, den größten Teil stellte das Nachbarland Deutschland (2.097), gefolgt von Großbritannien (1.120), Frankreich (975), Italien (869) und den USA (855). Österreichische Kongressteilnehmer nahmen mit 636 Personen den sechsten Platz ein.

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