Meeresfauna verschwindet binnen 100 Jahren und braucht 4.000 Jahre zur Erholung

8. April 2015, 12:04
3 Postings

Eine Studie analysiert das Leben auf dem Meeresboden zur Zeit der letzten Gletscherschmelze

Davis – Ein dramatischer Klimawandel kann dazu führen, dass tierisches Leben auf dem Meeresboden in gerade einmal hundert Jahren fast völlig verschwindet – es braucht aber Jahrtausende, um zur ursprünglichen Artenvielfalt zurückzufinden. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam rund um Sarah Moffitt von der University of California in Davis, das Fossilien aus dem Meeresboden vor Santa Barbara auswertete. Die erste Studie dieser Art dokumentiert, wie schnell Artenvielfalt im Meer verloren geht und wie schleppend sie sich erholt.

Die Forscher am Bodega Marine Laboratory tauchten in mehr als 400 Meter Tiefe, um dort einen Sedimentbohrkern zu gewinnen. Wie ein neun Meter langes Zeitfenster präsentieren die Schichten des Meeresbodens Einblicke in ein Ökosystem, das zwischen 1.400 und 14.100 Jahre vor unserer Zeitrechnung existierte. Damit machten sie das Leben zur Zeit der letzten großen Gletscherschmelze sichtbar.

Erholung dauert viel länger als gedacht

Das marine Ökosystem regenerierte sich nach dem Schock viel langsamer als erwartet: Ursprünglich gingen Forscher von einigen hundert Jahren Erholungsphase aus. Die Fossilien von 5.400 wirbellosen Tieren ließen in den Sedimentablagerungen auf dem Meeresboden aber viel größere Lücken. Vor 12.000 Jahren etwa nahm die Zahl an Seeigeln und Muscheln abrupt ab und blieb für mehr als vier Jahrtausende auf einem Minimum. Dreimal kollabierte in den Aufzeichnungen die Fauna und regenerierte sich erst viel später wieder.

Das Leben im Wasser musste sich in der Erdgeschichte bereits mehrmals von den Folgen eines Klimawandels erholen. Auch wenn es zu Zeiten der letzten Gletscherschmelze noch andere Gefahren für Meeresbewohner gab, war eine Folge steigender Temperaturen nach Angaben der Forscher besonders fatal, und das flächendeckend: der Mangel an Sauerstoff. Denn wenn es wärmer wird, geht dem aquatischen Ökosystem schlichtweg die Luft aus.

Wie Sauerstoff im Wasser weicht

Wie Kohlendioxid in einem Glas Mineralwasser perlt auch der Sauerstoff bei steigenden Temperaturen aus, weil sich weniger Gas im Wasser lösen kann. Die Studie geht davon aus, dass der Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren bis 2100 um ein bis sieben Prozent sinken wird. Und die Entwicklung ist bereits im Gang: Über die letzten vier Jahrzehnte fielen die Sauerstoffwerte in den Ozeanen merklich.

"Die Ereignisse der Vergangenheit zeigen uns, wie sensibel Ökosysteme auf Änderungen des Klimas reagieren", sagt Moffitt. Die Folgen der steigenden Meerestemperaturen kommentiert sie kritisch: "Weder in unserem Leben noch in dem unserer Enkelkinder werden wir Verbesserungen sehen." (stum, derStandard.at, 8.4.2015)

  • Die Sandproben geben Einblick in die jahrtausendealte Geschichte des Ökosystems auf dem Meeresboden vor Santa Barbara in den USA. Forscherin Sarah Moffitt untersucht in den Ablagerungen die Fossilien von Muscheln und Seeigeln.
    foto: joe proudman/uc davis

    Die Sandproben geben Einblick in die jahrtausendealte Geschichte des Ökosystems auf dem Meeresboden vor Santa Barbara in den USA. Forscherin Sarah Moffitt untersucht in den Ablagerungen die Fossilien von Muscheln und Seeigeln.

Share if you care.