Centre Pompidou in Málaga: Der Würfel darf gefallen

6. April 2015, 08:22
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Mit der Eröffnung einer Pompidou-Dependance ist Málaga endgültig Museumsmetropole geworden.

Der Würfel darf gefallen: Das Centre Pompidou Málaga ist die erste Auslandsniederlassung der Pariser Museumsikone. Eben erst Ende März im Beisein von Premier Mariano Rajoy, der französischen Kulturministerin Fleur Pellerin und Schauspieler Antonio Banderas eröffnet, hat es schon einen Spitznamen: Cubidou, eine Verballhornung aus Kubus und Pompidou. Die Konstruktion aus Glas und Stahl stammt von dem Architekten-Duo Javier Pérez de la Fuente und Juan Antonio Marín Malavé aus Málaga.

foto: jan marot
Die Konstruktion aus Glas und Stahl stammt von dem Architekten-Duo Javier Pérez de la Fuente und Juan Antonio Marín Malavé aus Málaga.

Der oberirdische Bau dient als emblematischer Lichtschacht für die unterirdische Ausstellungsfläche und wurde mit bunten Plexiglas-Paneelen aufgemotzt, dem Markenzeichen des französischen Künstlers Daniel Buren. Ein Blickfang, den man schon von weither über die Flaniermeile Muelle 1 kommend sieht. Erst vor zwei Jahren entstand diese durch den Umbau der einstigen Frachthafenmole.

foto: centre pompidou málaga
Vor zwei Jahren entstand die Flaniermeile Muelle 1 durch den Umbau der einstigen Frachthafenmole.

Statt Containerlager ist das Gelände nun Promenade, Gourmet- und Einkaufszone geworden – mit dem nagelneuen Pompidou-Museum als Herzstück. Im Hintergrund baut sich imposant der Alcazaba auf, die gigantische Festung aus arabischer Zeit. Als neues Wahrzeichen wirkt "El Cubo" daher vielleicht ein wenig klein geraten für die knapp 600.000 Einwohner zählende südspanische Provinzhauptstadt, die zugleich Geburtsort von Pablo Picasso ist.

Im Hintergrund des neuen Centre Pompidou baut sich imposant der Alcazaba auf, die gigantische Festung aus arabischer Zeit.

"Nicht einmal Paris hat eine derartige Ausstellungsfläche", betonte der Pariser Pompidou-Chef Alain Seban anlässlich der Eröffnung und ergänzte: "Besser man zeigt die Werke, als 98 Prozent der Sammlung füllen Lager". Permanente und Sonderausstellungen werden auf knapp 6300 Quadratmeter gezeigt. Darunter rund 90 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst. Der Lizenzvertrag für den guten Namen Pompidou ist vorerst auf fünf Jahre befristet. Bürgermeister Francisco de la Torre Prados und der Pompidou-Chef zeigten sich zur Eröffnung aber hochgradig optimistisch, dass die "Pop-up"-Pompidou-Präsenz in Málaga verlängert wird. Man erwartet rund 250.000 Besucher jährlich.

Üppig bestückter Untergrund

Der kantige Minimalismus des Pompidou Málaga außen trügt. Im Inneren offenbart sich ein weitläufiges, üppig bestücktes und exzellent ausgeleuchtetes Museum. Kuratorisch ins rechte Licht gerückt werden dort unter anderem Picasso, Joan Miró, Frida Kahlo, Francis Bacon und Valie Export.

Zum musealen Pflichtprogramm gehört das Museo Carmen Cervera Thyssen, dessen Sammlung bald mit Beständen aus Madrid aufgestockt werden soll.

Málaga bietet nunmehr nach Madrid und Barcelona die drittgrößte, zeitgenössische Gesamtmuseumsfläche Spaniens, denn außer dem Pompidou eröffnete fast zeitgleich im März eine Dependance der Eremitage, des Russischen Staatsmuseums in St. Petersburg. Untergebracht ist diese in der Tabacalera, einer imposanten Tabakfabrik aus dem 19. Jahrhundert, wo man 150.000 Gäste pro Jahr empfangen will. Hier finden neben orthodoxen Ikonen aus dem 16. Jahrhundert und Vertretern der Russischen Avantgarde wie Kasimir Malewitsch etwa Werke von Wassily Kandinsky oder Marc Chagall auf 7500 Quadratmetern üppig Raum. Diese Niederlassung ist vertraglich vorerst auf eine Dekade fixiert.

Sechs Kunstmuseen bis Ende 2015

Derzeit hält man an in der Stadt der andalusischen Costa del Sol bei fünf renommierten Kunstmuseen, bald sind es sechs. Denn nach 15 Jahren Umbauzeit soll nun auch das Museo de Bellas Artes Málaga Ende 2015 wieder seine Pforten öffnen.

Ohne Picasso geht in Málaga gar nichts. Im Bild: sein Geburtshaus.

Schon jetzt zum Pflichtprogramm gehört unterdessen das Museo Carmen Cervera Thyssen, nach einer der wichtigsten Kunstsammlerinnen Spaniens benannt. In Kürze soll es mit 55 weiteren Werken aus der Madrider Sammlung des Museo Thyssen-Bornemisza aufgestockt werden. Hinzu kommt das mit bis zu 16 Sonderausstellungen jährlich aufwartende Museum für Gegenwartskunst CAC sowie das dem berühmtesten Sohn der Stadt gewidmete Picasso-Museum und das Geburtshaus Casa Natal Picasso.

Kurzum: Gegen die Hitze an der Costa del Sol hilft diesen Sommer wohl am besten Kunst – in klimatisierten Museumsräumen. (Jan Marot, Der STANDARD, 04.04.2015)

Service:

Museen: Centre Pompidou Málaga: Eintrittspreise Centre Pompidou Málaga: 7 Euro/4 Euro ermäßigt
Dependance des Russischen Staatsmuseums,
Tabacalera, Málaga: 8 Euro/4 Euro ermäßigt
Picasso-Museum: museopicassomalaga.org
CAC: Centro de Arte Contemporáneo
Thyssen Museum Málaga: www.carmenthyssenmalaga.org
La Térmica: www.latermicamalaga.com

Essen und Trinken:

Sternekoch José Carlos García bedient die Gaumen der Feinschmecker mit exquisit-moderner, sowie regionaler Spitzengastronomie mit Techniken der Molekularküche, und das nur einen Steinwurf vom Centre Pompidou Málaga entfernt im Restaurante Juan Carlos García (pro Person zwischen 100 und 150 Euro). Sein zweites Restaurant, das Café de Paris (Calle Veléz Málaga, pro Person um die 30 bis 50 Euro, Mittagsmenu ab 15 Euro) ist ebenso mit einem Michelin-Stern gekrönt, gibt sich klassischer, wenngleich nicht minder kreativ: Wie mit seiner kalten Lasagne aus fangfrischen Sardinen. Die sind typisch auch als Snack, wie man sie in Málaga und Umland sonst vom Holzgrill am Strand la Malagueta etwa stets am Spieß (span. Espeto) serviert. Nicht minder gut und ein wenig günstiger dinieren Kunstreisende auch im Gegenwartskunstzentrum CAC gelegenen Restaurant El Oleo, etwa mit einem Thunfisch-Filetspieß (Calle Alemania S/N, Tel. +34952219062, 20 bis 40 Euro pro Person).

Weintipp:

Kunst und Wein vertragen sich ja bekanntlich fein: In Spanien dominieren Rioja und Ribera del Duera. Doch auch ein Rotwein aus der hügeligen wie küstennahen Gemeinde Axarquía, unweit von Málaga wurde unlängst von US-Weinkritiker Robert Parker in "The Wine Advocat" zurecht höchstens gelobt – und mit 93 Punkten bewertet: Sedella, ein "Mediterraner Berglandwein". Nur weniger als 3000 Flaschen werden jährlich seit 2011 abgefüllt, aus den lokalen Romé- und Garnachatrauben nachdem ihr Saft 20 Monate in französischer Eiche reifte.

Faniermeile Muelle 1:

Der umgestaltete einstige Frachthafen lockt seit mittlerweile zwei Jahren zum Flanieren, Schoppen und einer Fülle an Restaurants in allen Preisklassen: www.muelleuno.com

Unterkunft:

Zentral und unweit des Museo Carmen Cervera Thyssen in der Calle Mármoles 6 bietet das Hotel Málaga Centro der Salles-Gruppe bequem-moderne Zimmer, je nach Saison ab 150 – 170 Euro die Nächtigung im "Superior"-Doppelzimmer (für zwei Personen). Das Frühstücksbuffet ist dabei nicht inkludiert.

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