Pussy Galore über den Wolken

3. April 2015, 17:00
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Für eine feministische Reform der Luftfahrt

Um Frauen Gutes zu tun, schadet es nicht, die Anlässe manchmal an den Haaren herbeizuziehen. Den Beweis dafür hat Luise F. Pusch mit ihrem vielbeachteten Kommentar zum Airbus-Absturz in der Emma geliefert.

Frau Pusch, dies muss man wissen, ist keine Irgendwerin, sondern Erfinderin der "feministischen Sprachwissenschaft", bei der stets die raffinierte Verdachtshypothese "Frau ganz prima, Mann ausgesprochen deppert" im Raum steht und die hauptsächlich der Entlarvung des geheimen männlichen Masterplans gewidmet ist, Frauen sprachlich unsichtbar zu machen (Codewort: "Herrensprache").

Kraft ihrer philologischen Expertise ist es Pusch auch sofort gelungen zu enthüllen, dass die Lufthansa in einem Kommuniqué von zwei toten Buben und vierzehn toten Mädchen als "16 Schülern" spricht (korrekt selbstverständlich "16 SchülerInnen"). Genderunsensibel bis dorthinaus! Auf diesen Skandal, der die Hinterbliebenen gewiss am meisten geschmerzt hat, konnte man nicht schnell genug aufmerksam machen!

Aber auch mit praktischem feministischem Rat ist Pusch bei der Hand. Ihre Forderung: Damit die Flugsicherheit in Europa erhöht wird, gehört von jetzt an umgehend eine Quotenfrau in jedes Cockpit. Denn: "Amoktrips sind Männersache."

Was soll ich dazu sagen? Pusch hat natürlich recht. Ich bin selbst ein Mann und weiß, wie wir ticken. Primitiv, wie wir sind, wollen wir ausschließlich unseren Spaß haben. Untertags wird ein wenig gebrandschatzt, vergewaltigt, selbstgemordet und Amok gelaufen, am Abend spannen wir bei reichlich Alkohol und Blondinenwitzen im Gasthaus aus. Bevor wir dann aber nach der Sperrstunde nudelfett mit dem Auto nach Hause brettern, schleichen wir uns zuvor noch aufs Damenklo und pischen den Weibern zu Fleiß die Klobrillen voll ("damit s' amoi wissen, wos a Stehpinkler is").

Wie die Welt je auf die Idee kommen konnte, eine solche Horde von Kretins auf die Luftfahrt loszulassen, ist schleierhaft. Das Herrenfliegen hätte man längst vor der Erfindung der feministischen Sprachwissenschaft unterbinden müssen. Jetzt helfen nur noch rein weibliche Flugbesatzungen, ganz nach dem Muster von Pussy Galores Flying Circus im Bond-Film Goldfinger. Von denen ist, soweit der Krisenkolumnist weiß, noch niemals eine abgestürzt. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 4.4.2015)

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