Ermittlungen gegen Jean-Marie Le Pen wegen Gaskammer-Äußerung

3. April 2015, 13:38
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Front-National-Gründer hat Gaskammern erneut als Detail des Zweiten Weltkieges bezeichnet

Paris - Trotz mehrfacher Verurteilung hat der Gründer der rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich, Jean-Marie Le Pen, seine Aussage wiederholt, dass die Gaskammern in den NS-Konzentrationslagern ein "Detail" des Zweiten Weltkriegs seien. Die französische Justiz leitete daraufhin am Donnerstag abermals Ermittlungen gegen den 86-jährigen Europaabgeordneten ein. Seine Tochter, FN-Chefin Marine Le Pen, ging auf Distanz zu ihrem Vater.

Der heutige Ehrenvorsitzende der FN hatte am Donnerstag erneut gesagt, dass die Gaskammern ein "Detail" der Geschichte seien. "Ich halte daran fest, weil ich glaube, dass das die Wahrheit ist", hob Jean-Marie Le Pen in den Sendern RMC und BFMTV hervor. Zur Begründung führte er an, seine Äußerung betreffe "ein System", nicht die Opfer: "Der Krieg ist schrecklich".

Marine Le Pen: "Tiefe Meinungsverschiedenheiten"

FN-Chefin Marine Le Pen sagte dazu, zwischen ihr und ihrem Vater gebe es in dieser Frage eine "tiefe Meinungsverschiedenheit". Dies gelte gleichermaßen für den "Inhalt und die Form". Auf die Frage, was sie gegen solche Erklärungen tun könne, sagte sie: "Nichts. Diese Äußerungen schaden nicht der Glaubwürdigkeit der FN sondern seiner Glaubwürdigkeit."

Seit ihrem Antritt als FN-Chefin 2011 versucht Marine Le Pen, der Partei ein respektableres Image zu verschaffen. Mehrere Mitglieder, die sich rassistisch geäußert hatten, ließ sie aus der Partei ausschließen.

Aussage seit Mitte der 80er Jahre mehrfach wiederholt

Der langjährige FN-Vorsitzende Jean-Marie Le Pen hatte die Gaskammern erstmals im September 1987 als "Detail der Geschichte des Zweiten Weltkriegs" bezeichnet. Anschließend wiederholte er dies mehrfach, unter anderem 1997 in München und 2009 vor dem Europaparlament, dem der 86-Jährige seit 1984 ununterbrochen angehört. Mehrfach wurde er deswegen verurteilt.

Die französische Justiz leitete nun erneut Ermittlungen gegen den FN-Gründer ein. Ermittelt werde wegen des Bestreitens eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, verlautete am Donnerstagabend aus Justizkreisen in Paris. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilte die Äußerungen von Jean-Marie Le Pen als "unwürdig" und "unerträglich".

FN-Generalsekretär Nicolas Bay machte am Freitag deutlich, dass die Gaskammer-Äußerung der politischen Botschaft seiner Partei schadeten. Er und FN-Vize Florian Philippot schlossen nicht aus, dass Jean-Marie Le Pen deshalb nicht als FN-Kandidat für die Regionalwahlen im Dezember aufgestellt werde. Einen Parteiausschluss des FN-Gründers hielten beide aber ebenfalls für undenkbar. Der 86-Jährige hatte im Januar deutlich gemacht, dass er bei den Regionalwahlen die FN-Liste in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur anführen will. (APA, 3.4.2015)

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