Argentinien öffnet Falkland-Archive

3. April 2015, 15:51
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Präsidentin Kirchner zu Berichten über Aufrüstung: Wir bedrohen niemanden - Militär hat 30 Tage, um Dokumente zu veröffentlichen

Buenos Aires - Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hat am Donnerstag in der südargentinischen Stadt Ushuaia an einer Gedenkveranstaltung für den Falklandkrieg teilgenommen.

In dem Konflikt um die britischen Inseln vor der Küste Argentiniens starben 1982 655 argentinische und 255 britische Soldaten.

Archive werden geöffnet

Die Präsidentin kündigte in ihrer Rede an, dass im Malvinenmuseum in Buenos Aires ein Archiv geschaffen werden soll, in dem Erinnerungen von Kriegsteilnehmern gesammelt werden.

Außerdem sollen bisher geheime Dokumente aus Arneebeständen veröffentlicht werden, sofern das die Sicherheit des Landes nicht gefährde. Die Militärs haben nun 30 Werktage Zeit, das Material zu sichten.

foto: epa/argentinian presidency
Präsidentin Kirchner de Fernández vor Malvinen-Kulisse.

Kirchner rief die britische Regierung auf, kein Geld für die Verteidigung der in Südamerika als "Malvinas" bekannten Inseln mehr auszugeben, weil Argentinien für niemanden eine Bedrohung darstelle. Das Geld könnten die Briten sinnvoller in Armutsbekämpfung investieren, erklärte die Präsidentin.

"Keine Bedrohung"

Sie zeigte sich empört über einen Bericht in der britischen Boulevardzeitung "The Sun", in dem ihr Land als Bedrohung für die Sicherheit Großbritanniens dargestellt worden war: "Wir bereiten keine Invasion vor – womit auch?"

Britische Medien hatten im März vor einer Aufrüstung Argentiniens gewarnt. So habe Kirchner vor, zwölf russische Langstreckenbomber zu leasen, mit denen die knapp 400 Kilometer vor der Küste liegenden Inseln angegriffen werden könnten. Die britische Marine verfügt bis mindestens 2020 über keinen Flugzeugträger, was die Verteidigung abgelegener Kolonien erschwert.

Großbritanniens Verteidigungsminister Michael Fallon hatte kürzlich verkündet, die Truppen auf den Inseln verstärken zu wollen. Normalerweise sind auf dem Flugplatz Mount Pleasant bis zu vier Eurofighter stationiert, dazu kommt ein Kriegsschiff, das zwischen Westafrika und Südamerika pendelt.

foto: epa/argentinian presidency
Blumen für die Gefallenen

Argentinien bemüht sich seit Jahren um Ersatz für seine in die Jahre gekommenen französischen Mirage-Kampfjets und dessen israelische Nachbauten. Bislang sind aber alle Versuche, modernes Fluggerät zu beschaffen, am Veto Großbritanniens oder der USA gescheitert, weil praktisch alle westlichen Kampfflugzeuge Bauteile aus diesen Staaten enthalten. Die Regierung erwägt nun, russische oder chinesische Jets zu kaufen.

Snowden: Briten spionierten

Dokumente aus dem Besitz des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden sollen indes belegen, dass britische Agenten von 2008 bis zumindest 2011 in Argentinien spionierten. Im Rahmen der "Operation Quito" habe der Geheimdienst GCHQ Computerviren eingesetzt, Falschmeldungen verbreitet und versucht, die Glaubwürdigkeit der argentinischen Regierung zu untergraben, berichtete Snowdens Webseite "The Intercept".

2013 hatten sich die Bewohner der Inselgruppe mit überwältigender Mehrheit für einen Verbleib bei Großbritannien ausgesprochen, Argentinien erkennt das Referendum aber nicht an. Angesichts der Entdeckung großer Ölvorkommen vor den Inseln hatten sich die Spannungen zwischen beiden Staaten in den vergangenen Jahren wieder verschärft.

Die argentinische Regierung hat angekündigt, ein Verfahren gegen die Besitzer der Ölfirmen Premier Oil, Falkland Oil & Gas und Rockhopper einleiten zu wollen, weil die Ölforderung in von Argentinien beanspruchtem Territorium gegen ein 2013 reformiertes Gesetz verstößt.

Argentinien fordert bilaterale Gespräche über die Souveränität des Archipels, Großbritannien lehnt dies ab. (bed, derStandard.at, 3.4.2015)

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