Amazon Video: "Man kommt mit Schauen nicht nach"

3. April 2015, 07:00
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Ein Jahr Amazon Video: Freude mit Fire TV, keine Serienpläne für Deutschland

Wien - Streik bei Amazon? Kein Problem. Imageschaden? Dazu folgendes Statement: "An den Streiks beteiligt sich nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter - die überwältigende Mehrheit der Kollegen arbeitet daran, unseren Kunden den besten Service zu bieten. Wir bieten mit unserem Programm ,Amazon besuchen' jedem die Möglichkeit, sich vor Ort die Arbeit in unseren Logistikzentren anzusehen."

Interviews mit Repräsentanten der neuen Webwirtschaftsriesen gehören zum eher schwierigen Teil des journalistischen Geschäfts. Traditionell tut sich die Branche schwer mit Öffentlichkeitsarbeit abseits von Jubelmeldungen und exzessiver Produktwerbung. Zahlen über Abrufe von Video-on-Demand-Anbietern gehören überhaupt zu den bestgehüteten Geheimnissen. Warum eigentlich? Christoph Schneider, Deutschland-Chef von Amazon Prime Instant Video, ganz offen: "Es gibt keinen Grund. Wir sprechen nicht darüber, aber es läuft sehr gut."

"Wir sind superzufrieden"

Aber was sind schon Zahlen, wenn ein Jahr nach dem Start von Amazon Prime Instant Video in Deutschland und Österreich alle verrückt nach Serien wie "Transparent", "Bosch" und "Alpha House" sind: "Wir sind superzufrieden, unsere Zahlen sind sehr schön, wir wachsen hervorragend" , freut sich Schneider im STANDARD-Gespräch. In Österreich wie in Deutschland: "Die Kunden stehen genauso auf aktuelle TV-Serien, Filme und Kindercontent."

Mehr als 15.000 Titel befinden sich auf der Prime-Instant-Video-Bibliothek. Gefragt seien Comedys wie "How I Met Your Mother", "Big Bang Theory" und "Two And A Half Men", sagt Schneider. Bei Filmen punktet Aktualität, im Moment etwa "Ich, einfach unverbesserlich".

Kein Horror, keine Erotik? "Wir beobachten, dass wir mit unserem Angebot ein breites Publikum ansprechen", sagt Schneider. "In den Top 20 sehe ich keinen Horror- oder Erotikfilm", sagt Schneider.

Personalisierung

Die personalisierte Auswahl der Angebote ist weiterhin ein großes Thema: "Wir arbeiten kontinuierlich daran, Programmangebote auf jeden Einzelnen zuzuschneiden", sagt Schneider. Über Algorithmen werden Zuseher auf Inhalte hingewiesen, die sich nach bereits Gesehenem neu ordnen. Danach soll auch weniger hoch gerankte Ware zum Zug kommen.

Für den Onlinehändler ist da mehr möglich als für den bloßen Streamingdienst. Ausgewertet werden alleine Einkäufe auf Amazon: "Wir sehen, was die Kunden bei uns gekauft haben. Bei Büchern interessiert sich der Algorithmus für Genre, Autor. Bei Filmen spielen Genre, Schauspieler, Regisseur eine Rolle. Daraus werden Empfehlungen gemacht."

Gut läuft es auch wegen der Fire-Serie von Amazon, sagt Schneider: Wer die erworbene Serie auf dem großen Bildschirm sehen will, hat die Möglichkeit, über den Fire Stick vom PC aus zu steuern. Die Streaming-Box (99 Euro) funktioniert gar über Sprachsteuerung. Der Stick (39 Euro) sei "der beste Start, den Amazon jemals bei einem Device hatte".

Jahresabo 49 Euro

Beim Thema Konkurrenz lässt Schneiders Redefluss wieder deutlich nach: Man sei mit sich selbst beschäftigt. Immerhin: Der Preis des Jahresabos von 49 Euro bleibe, Steigerungen seien nicht geplant.

Originalserien von Amazon aus Deutschland oder gar Österreich gebe es vorerst nicht. Die derzeitige Serienschwemme reguliere der Markt, glaubt Schneider: "Wie überall: Das Gute wird sich durchsetzen. Die Zuschauer werden's richten." Er selbst schaut Bosch, ist Fan von Downton Abbey und Homeland und teilt das Problem von vielen: "Man kommt mit dem Schauen gar nicht nach." (Doris Priesching, DER STANDARD, 3.4.2015)

  • Allseits beliebt: "Big Bang Theory" gehört zu den meistabgerufenen Serien bei  Amazon.
    foto: cbs

    Allseits beliebt: "Big Bang Theory" gehört zu den meistabgerufenen Serien bei Amazon.

  • Christoph Schneider von Amazon Prime Instant Video.
    foto: amazon

    Christoph Schneider von Amazon Prime Instant Video.

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