Übernahmepoker in der Immobilienszene

2. April 2015, 17:45
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Am 15. April enden die Kaufangebote von Deutsche Wohnen und CA Immo

Wien - Am heimischen Immobilienmarkt läuft derzeit eine ungewöhnliche Übernahmeschlacht: Zunächst gab Deutsche Wohnen bekannt, die Conwert zum Preis von 11,50 Euro/Aktie übernehmen zu wollen. Dann ließ die CA Immo, in die Q1 des russischen Oligarchen Boris Mints investiert ist, mit einem Teil-Übernahmeangebot für die viel größere Immofinanz zu 2,80 Euro/Aktie aufhorchen, dass von dieser als preislich zu gering abgelehnt wird. Die Immofinanz hat im Gegenzug ein Angebot für bis zu 29 Prozent an der CA Immo um 18,50 Euro/Aktie angekündigt.

Interessant ist, dass demnächst, am 15. April, sowohl das Übernahmeangebot der CA Immo für die Immofinanz als auch jenes der Deutsche Wohnen für die Conwert endet. Die Immofinanz selbst wird sich auf Anraten der Übernahmekommission am 17. April in einer außerordentlichen Hauptversammlung (HV) die Zustimmung für das Angebot an die CA- Immo-Aktionäre holen. Und sie wird sich die Zustimmung für die Senkung der Kontrollschwelle, ab der ein verpflichtendes öffentliches Übernahmeangebot für den gesamten Immofinanz-Konzern zu legen ist (derzeit 30 Prozent), auf 15 Prozent holen. Der Grund: Die Immofinanz-Aktien sind zu 100 Prozent im Streubesitz. Hält ein Investor bereits 15 Prozent der Stimmrechte, kann dies aufgrund der Präsenzen in der HV zu einer relativen Stimmrechtsmehrheit in der HV und damit zur Kontrollmöglichkeit eines Investors über die Gesellschaft führen.

Kontrollschwelle

Vor diesem Hintergrund scheint die im Übernahmegesetz festgelegte Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte zu hoch. Eine Herabsetzung dieser Kontrollschwelle dient damit dem Schutz der Aktionäre durch die Sicherstellung einer Kontrollprämie, argumentierte Immofinanz-Chef Eduard Zehetner. Hintergrund: Die CA Immo will zwar offiziell nur 13,5 Prozent, hält aber mit Q1 mittlerweile bereits jetzt vier Prozent Immofinanz-Aktien.

Zehetner (63), der Ende April in Pension geht, hat vermutlich im Leben nicht daran gedacht, dass sein Abschied dermaßen turbulent wird.

Sehr verhalten bis ablehnend reagierten auch die Conwert-Führung und der Verwaltungsrat auf das Übernahmeangebot von Deutsche Wohnen. Der Preis sei zu gering, wurde betont. Und das, obwohl die Deutschen, die zumindest 50 Prozent plus eine Aktie wollen, bereits die Zusage von der Privatstiftung von Hans Peter Haselsteiner und der Familie von Karl Ehlerding haben, ihr Conwert-Paket von rund 25 Prozent an die Deutschen zu verkaufen.

Rebellen

Der "rebellische" Aktionär Alexander Proschofsky hat seine Unzufriedenheit mit dem Preis von 11,50 Euro/Aktie deponiert. Der "wahre Wert der Gesellschaft" sei "viel höher", schrieb er jüngst in einem Brief an Conwert-Kontrollore und -Direktorium. Auch der Chef des Investmentfonds Petrus Advisers, Klaus Umek, meldete Bedenken an. Umek hat die Conwert-Führung kürzlich öffentlich massiv kritisiert, er stellt vor allem die Bewertungen der Immobilien infrage.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Eveline Steinberger-Kern per Ende April überraschend den Verwaltungsrat aus persönlichen Gründen verlässt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 3.4.2015)

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