Tanksportaufgabe für Osterurlauber

3. April 2015, 08:00
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Alle Jahre wieder beschleicht Autofahrer das Gefühl, an Tagen wie Ostern für Sprit mehr zahlen zu müssen als nötig

Wien - Wer sich heuer mit dem Auto auf Ostereiersuche macht, wird sich im Vergleich zu vergangenen Ostern zwar nicht die Welt, ein paar Euro aber allemal ersparen. Grund ist der Preisrutsch bei Rohöl, das sich seit vorigem Juli um zeitweise 60 Prozent verbilligt hat. Im Jahresabstand kostet die für Europa maßgebliche Sorte Brent mit knapp 56 Dollar je Fass (159 Liter, knapp 52 Euro) noch immer um fast die Hälfte weniger.

Der Ölpreisrutsch, ausgelöst durch eine Flutung der Märkte mit Öl trotz anhaltend schwacher Konjunktur, ist mit ein Grund, warum die Spritpreisdiskussion heuer vergleichsweise ruhig verläuft. Das war nicht immer so. In Zeiten, wo für den Liter Treibstoff 1,40 Euro und mehr zu zahlen waren, standen die Mineralölkonzerne unter Dauerbeschuss. Von Abzocke war die Rede und von mutwilligen Preiserhöhungen.

Preiserhöhungen

Alle heiligen Zeiten, also während der Weihnachtsfeiertage, der Semesterferien, zu Ostern, Pfingsten und selbstredend zu Beginn der Urlauberreisewelle im Sommer, setzte es regelmäßig Preiserhöhungen. Manchmal, keinesfalls immer, verlief die Preisentwicklung an den Zapfsäulen synchron zu den Preisausschlägen auf den internationalen Rohölmärkten. Bei Milliarden an verkauften Litern fällt selbst eine Minipreisänderung um einen Cent schwer ins Gewicht.

Dabei ist für viele Tankstellenpächter, die bei der Gestaltung der Zapfsäulenpreise null Spielraum haben und die Vorgaben der Mineralölkonzerne umsetzen müssen, ein Cent oft der Unterschied zwischen leben und nicht leben.

Viele bekommen kaum mehr als einen Cent an Provision pro verkauftem Liter Sprit. Verdient wird im Tankstellenshop, mit der Waschstraße, fallweise auch durch Reparaturservice.

Während sich der Preis für Diesel zuletzt leicht verbilligt hat, gab es beim Benzinpreis keine Bewegung. Das hat zuletzt der ÖAMTC kritisiert. Der Autofahrerclub wirft den Mineralölfirmen vor, die Preise künstlich hoch zu halten, und angesichts der vergleichsweise tiefen Rohölnotierungen Extragewinne abzuschöpfen.

Tanken am späten Vormittag

Der Mineralölverband, Interessenvertretung der in Österreich tätigen Ölfirmen, konterte mit der Feststellung, internationale Rohöl- und Produktenmärkte seien getrennt zu sehen. Sie zeichneten sich durch unterschiedliche Marktbedingungen und Preisentwicklungen aus. Und: "Ein weiterer wichtiger Faktor für abweichende Entwicklungen der Zapfsäulenpreise zu den internationalen Ölpreisen ist die Mineralölsteuer als fixer Satz pro Liter." Bei Benzin sind es 48,2 Cent, die der Staat je Liter an Mineralölsteuer kassiert, bei Diesel 39,7 Cent.

Tatsache ist, wer heuer in den Osterurlaub fährt, spart sich pro Tankfüllung (50 Liter) bei Euro im Schnitt 6,95 Euro und bei Diesel 8,45 Euro. Darin berücksichtigt ist bereits, dass der Euro zuletzt gegenüber der Ölwährung Dollar stark abgewertet hat.

Wer besonders günstig fahren will, sollte möglichst in der ersten Wochenhälfte tanken, am besten kurz vor Mittag. Laut geltender Regelung dürfen die Mineralölkonzerne nur einmal am Tag die Preise anheben - mittags. Zum Wochenende hin, das zeigt die Erfahrung, wird Sprit tendenziell teurer. (Günther Strobl, DER STANDARD, 3.4.2015)

  • Wer günstig tanken will, sollte die Autofahrt gut planen. Ein Blick auf den Spritpreisrechner kann hilfreich sein. Als Faustregel gilt: In der ersten Wochenhälfte ist es billiger als am Wochenende, kurz vor Mittag günstiger als nachmittags.
    dpa/axel heimken

    Wer günstig tanken will, sollte die Autofahrt gut planen. Ein Blick auf den Spritpreisrechner kann hilfreich sein. Als Faustregel gilt: In der ersten Wochenhälfte ist es billiger als am Wochenende, kurz vor Mittag günstiger als nachmittags.

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