St. Pölten: 51-Jähriger wegen Stalkings verurteilt

2. April 2015, 16:57
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Bedingte Haftstrafe von fünf Monaten

St. Pölten – Ein Prozess um beharrliche Verfolgung hat am Donnerstag am Landesgericht St. Pölten mit einem Schuldspruch geendet. Ein 51-Jähriger wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von fünf Monaten unter Setzung einer dreijährigen Probezeit verurteilt. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Der Angeklagte nahm Bedenkzeit. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Dem Mann war vorgeworfen worden, seit 2013 im Bezirk Scheibbs eine Bekannte per Telefon und SMS mehr als 1.600 Mal kontaktiert sowie Waren bei einem Versandhaus auf ihren Namen bestellt zu haben. Zudem soll er ein Abhörgerät bei der Frau platziert haben. Weitere Anklagepunkte betrafen Sachbeschädigung und illegalen Waffenbesitz.

Soldat bekannte sich schuldig

Der Berufssoldat bekannte sich schuldig, eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer besessen zu haben. Er bestritt jedoch alle anderen Vorwürfe. Dazu fehle ihm das Motiv, denn der Angeklagte habe mit der Bekannten ein "tiefes freundschaftliches Verhältnis" gepflegt, betonte sein Verteidiger. Er kenne die Frau seit 2007 über einen Verein, sagte der 51-Jährige. Die beiden haben ihm zufolge über vieles - auch über die Beziehung der 27-Jährigen zu einem verheirateten Mann - gesprochen. Als die Frau dann von einem Unbekannten Anrufe und Briefe erhielt, habe sie sich ihm anvertraut. "Sie war schon fertig", schilderte der Berufssoldat den Zustand der Hotelfachfrau.

Auch aus diesem Grund hätten die beiden Kontakt gehabt, größtenteils per SMS, "weil sie am Abend des öfteren Angst hatte", betonte der Angeklagte. Zudem habe er selbst anonyme Anrufe mit "Wir wissen, wo Sie sind" erhalten, hielt der 51-Jährige gegenüber Richter Slawomir Wiaderek fest. "Ich glaube auch, dass mich jemand verfolgt hat." Die ganze Situation habe ihn "sehr aufgeregt", verwies der Beschuldigte auf einen Gewichtsverlust von zwölf Kilogramm und, dass er sich auch in ärztliche Behandlung begab.

Viele "Zufälle"

"Es gibt ein bissl viel Zufälle", kommentierte der Richter Indizien, wonach es etwa zahlreiche "zeitliche und örtliche" Übereinstimmungen bei den Anrufen vom Unbekannten und vom Diensthandy des 51-Jährigen gebe. Die Hotelfachfrau habe zudem einen Mini-GSM-Sender bei sich mit der SIM-Card des Angeklagten gefunden. Wie dieser dorthin gelangt war, konnte sich der Berufssoldat nicht erklären. Er habe ein solches Gerät zwar besessen, aber nur in seiner Hütte verwendet, um diese vor Einbrechern zu schützen.

Die 27-Jährige glaubte vor dem Richter nicht, dass der 51-Jährige der Stalker sei, "weil er ein guter Freund war". Allerdings habe sie dann im April 2014 den Kontakt zu ihm abgebrochen. Danach hätten die belästigenden Anrufe aufgehört, sagte die Hotelfachfrau. Einvernommen wurde auch ihr damaliger - noch verheirateter - Partner. Dabei ging es neben dem Stalking um Beschädigungen an einer SAT-Anlage, zweier Überwachungskameras und Beschmierungen an seiner Hausfassade. Auf die Frage des Richters, ob der Angeklagte dahinter stecken könnte, antwortete der Zeuge: "Ich will ihm nichts unterstellen, aber für mich kommt letztlich nur er infrage." (APA, 2.4.2015)

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