Salzburg: Ein Pfarrer, ein Kommunist, zwei NS-Opfer

3. April 2015, 07:00
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Der kleine Industrieort Lend plant ein gemeinsames Gedenken für völlig unterschiedliche Widerstandskämpfer

Salzburg - Ob, und wie die beiden zu Lebzeiten überhaupt miteinander zu tun hatten, ist nicht überliefert. Posthum aber ist für Kaspar Feld und Josef Scherleitner aus der kleinen Pinzgauer Industriegemeinde Lend eine gemeinsame Ehrung vorgesehen. Dabei könnten ihre Lebenswege unterschiedlicher nicht sein: Feld war katholischer Priester und als solcher von 1939 bis 1942 Pfarrer in Lend.

Scherleitner war in dem durch die Aluminiumhütte traditionell "roten" Lend Tischler, bis 1934 Sozialdemokrat, Schutzbündler, dann Funktionär der illegalen KPÖ. In einem treffen sich ihre Biografien: Beide standen in Opposition zum Nationalsozialismus und wurden schließlich Opfer des NS-Terrorregimes.

Hinrichtung plakatiert

Der Kommunist Scherleitner wurde am 12. Februar 1942 festgenommen und wegen "Hochverrates" verurteilt. Josef Scherleitner wurde am 30. April 1943 im Gefängnis München-Stadelheim enthauptet. Zur Abschreckung wurde die Hinrichtung im gesamten Ort via Plakate kundgemacht.

Pfarrer Feld wurde von der Gestapo mehrmals verhaftet. Letztlich landete er wegen "staatsabträglicher Äußerungen" Mitte 1944 im Konzentrationslager Dachau. Feld überlebte das KZ knapp und wurde am 26. April 1945 befreit. Später wurde er Pfarrer im Tiroler Hochfilzen, wo er 1979 starb.

Den Anstoß für die Ehrung der zwei NS-Opfer aus Lend haben Recherchen des Pinzgauer Regionalhistorikers Rudolf Leo geliefert. Leo beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Geschichte des Pinzgau unterm Hakenkreuz. Im Februar ist im Salzburger Otto Müller Verlag eine Arbeit über Bruck an der Glocknerstraße in der NS-Zeit erschienen.

NS-Zeit nicht aufgearbeitet

Der Historiker hat auch die Geschichte der politisch verfolgten Kleriker aufgearbeitet: Insgesamt wurden 85 Priester und 16 Theologen in der Erzdiözese Salzburg von den Nazis in Gefängnissen oder KZs interniert. Ein Ergebnis der Recherchen ist die Benennung des ehemaligen Kirchplatzes im Pinzgauer Bramberg nach dem schon 1938 im KZ Dachau und später in Buchenwald inhaftierten Bramberger Pfarrer Andreas Rieser.

Beim Bürgermeister des knapp 1400 Einwohner zählenden Lend, Peter Eder (SPÖ), stößt die Arbeit von Leo jedenfalls auf Zustimmung. "In der Gemeindechronik ist diese Zeit vernachlässigt worden", sagt Eder über die fehlende Aufarbeitung der NS-Geschichte. Aktuell beraten Gemeinde und Pfarrer Oswald Scherer noch, wie die Ehrung für die zwei NS-Opfer erfolgen soll. Ein Ergebnis soll jedenfalls heuer - 70 Jahre nach der Befreiung - vorliegen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 3.4.2015)

  • Pfarrer Kaspar Feld überlebte die Haft im KZ Dachau.
    foto: pfarre lend/archiv leo

    Pfarrer Kaspar Feld überlebte die Haft im KZ Dachau.

  • Zur Abschreckung wurde die Ermordung von Josef Scherleitner durch die NS-Schergen in Lend plakatiert.
    foto: döw

    Zur Abschreckung wurde die Ermordung von Josef Scherleitner durch die NS-Schergen in Lend plakatiert.

  • Von den Nazis im Jahr 1943 ermordet: Josef Scherleitner.
    foto: döw

    Von den Nazis im Jahr 1943 ermordet: Josef Scherleitner.

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