Charaktersache Elektroantrieb

Kolumne2. April 2015, 16:13
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Der Antrieb muss mit dem Grundcharakter des Fahrzeugs harmonieren

Unterschiedliche Antriebsformen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Eine wichtige Voraussetzung, dass sich ein alternatives Antriebskonzept überhaupt durchsetzen kann, ist, dass dessen Talente auch richtig eingesetzt werden. Und in dieser Hinsicht sind viele Autohersteller noch im Experimentieren. Sicher ist: Der Antrieb muss auch mit dem Grundcharakter eines Fahrzeugs harmonieren. Hier sind noch nicht alle sattelfest.

Beispiel Volkswagen: Der Kleinwagen up! ergibt mit Elektroantrieb ein schlüssiges Bild. Das tägliche Fahrprofil der Nutzer passt in vielen Fällen schon von vornherein. Ob in der Stadt oder auf dem Land: ein up! wird nicht für die Langstrecke gekauft, er ist für die kurzen Wege und die vielen kleinen Lasten des Alltags gedacht und geschaffen. Das passt auch zum Elektroantrieb hervorragend.

100 Kilometer Reichweite

Anders beim elektrischen Golf namens GTE: Der Golf ist das Schweizermesser der Automobilwelt. Er ist damit berühmt geworden, einfach alles zu können, und er kann tatsächlich fast alles, was ein einziges Auto auf einmal können kann. Da sind gerade einmal gut 100 Kilometer Reichweite im Winter schlicht zu wenig, auch wenn er im Sommer dann vielleicht doch fast doppelt so weit kommt.

Die direkte Übersetzung des Erfolgsprinzips des Verbrennungsmotors auf die elektrische Ebene ist nicht zu schaffen. Vielleicht sind deshalb bloß manche Fragen nicht ganz richtig gestellt. Denn praktisch jeder wird auf "Wollen Sie einen Golf mit Elektroantrieb?" jubilierend mit Ja antworten. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 3.4.2015)

  • Der e-up! von Volkswagen: schlüssig.
    foto: stockinger

    Der e-up! von Volkswagen: schlüssig.

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