Erdgas, Hybrid & Co: Wunsch und Wirklichkeit

2. April 2015, 16:11
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Im allgemeinen Wettlauf um die wirksamste Inszenierung zukünftiger Antriebsformen ist es gar nicht so leicht, zwischen medialen Luftballons und ernsthaft gesetzten Segeln in die Zukunft zu unterscheiden

Die Anstrengungen der Automobilhersteller bei den alternativen Antriebsarten sind enorm, genauso wie das Publikumsinteresse. Wenn es aber ums Kaufen geht, sinkt die Zuneigung schlagartig. Dass eine erhebliche Veränderung im Zugang zum Automobil bevorsteht, ist trotzdem klar. Wie schnell diese vonstattengehen wird, ist hingegen weniger abschätzbar. Bei diesem Wandel geht es nämlich nicht nur um die Autoindustrie. Im Zentrum steht ein enormer Wettbewerb der Verkehrsträger. Angesichts demografischer Entwicklungen, also weiteren Bevölkerungszuwachses auf der Erde und noch rascher wachsender Ballungsräume, kämpft die Autoindustrie um ihre zukünftige Rolle. Sie möchte jedenfalls nicht, dass die Mobilität der Zukunft ohne sie stattfindet.

Die bestimmende Größe über allem sind gesetzliche Vorgaben, unmittelbar für die Autoindustrie in Form von Flottenverbrauchsregeln, mittelbar in Form von steuerlichen Lenkungsinstrumentarien für Autokäufer. So werden etwa Elektroautos in der Flottenverbrauchsstatistik mehrfach gezählt und bei den Ankaufs- und laufenden Steuern üblicherweise als CO2-frei eingestuft.

Doch nicht alles, was auf den Markt kommt, wirkt tatsächlich zukunftsträchtig und verlockend, ob aus politischer Sicht oder aus der momentanen Käuferperspektive. Das heißt aber nicht, dass auch nur eine der bisher angepriesenen Antriebsformen grundsätzlich unzweckmäßig wäre.

Stoßrichtungen

Viele Möglichkeiten bieten viele Gelegenheiten zum Irrtum. So kommen vor allem die ganz großen Autobauer nicht darum herum, sich sehr breit aufzustellen und keine der Entwicklungen gänzlich zu ignorieren, auch wenn es sehr viel Geld kostet. Stoßrichtungen sind allerdings schon zu erkennen.

So findet man etwa bei Renault-Nissan auffällig viele Elektromodelle. Bei Toyota ist der Hybridantrieb, so wie man ihn dort auch erfunden hat, als Schwerpunkt zu erkennen, vom reinen E-Auto hält man dort wiederum eher wenig.

Der Plug-in-Hybridantrieb, also Hybridfahrzeuge, die auch erhebliche Strecken rein elektrisch fahren können, ist wiederum eine Domäne der Luxus- und Sportwagenhersteller. Durch die unrealistisch niedrige CO2-Einstufung dieses Fahrzeugtyps gilt diese hochkomplizierte technische Lösung schlicht als Überlebensrezept. Die Volkswagen-Gruppe etwa hat sich hier ganz besonders breit aufgestellt.

Erdgas als Möglichkeit

Erdgas wäre die nächstliegende Möglichkeit, den CO2-Ausstoß des automotiven Personenverkehrs erheblich zu reduzieren, sogar mit Zukunftspotenzial in Richtung CO2-freie Antriebe (Audi e-gas) - allein, es gelingt nicht, der Technologie auch den nötigen Charme zu verleihen. Es gibt keine großen, aber viele kleine Ursachen dafür.

Das Gegenteil ist der Wasserstoff: Wer ein Wasserstoffauto bloß präsentiert, dem wird höchste Entwicklungskompetenz zugeschrieben. Weil die Frage der ökologisch sinnvollen Herstellung und Verteilung mit überschaubaren Kosten noch völlig offen ist, bliebt dieser Schritt vorläufig Zukunftsmusik, auch wenn die Technik im Auto schon beeindruckend gut funktioniert.

Der Mix an Antrieben wird also eher noch bunter werden, eine schlagartige Veränderung zugunsten einer bestimmten Antriebsart ist aufgrund der momentanen Rahmenbedingungen (Gesetze, wirtschaftliche Voraussetzungen) eher nicht zu erwarten. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 3.4.2015)

  • Beeindruckend breit ist inzwischen das Angebot an alternativen  Antriebskonzepten - mit Elektroautos wie BMW i3, ...
    foto: bmw

    Beeindruckend breit ist inzwischen das Angebot an alternativen Antriebskonzepten - mit Elektroautos wie BMW i3, ...

  • ... Plug-in-Hybriden wie Volvo XC90 T8 TwinEngine, ...
    foto: volvo

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  • ... Erdgasautos wie Audi A3 g-tron, ...
    foto: audi

    ... Erdgasautos wie Audi A3 g-tron, ...

  • ... und selbst Wasserstoff und Brennstoffzelle stehen vor der Tür, siehe Toyota mit  dem Mirai. Kernfrage: Wer kauft nun was?
    foto: toyota

    ... und selbst Wasserstoff und Brennstoffzelle stehen vor der Tür, siehe Toyota mit dem Mirai. Kernfrage: Wer kauft nun was?

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