Großer Waran lebt im Grenzgebiet von Iran und Irak

2. April 2015, 12:41
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Varanus nesterovi wird ein Jahrhundert nach seiner Entdeckung als bislang unbekannte Art erkannt

Bonn/Teheran/Bagdad - Große Landtiere werden heute nur noch selten entdeckt. Auch im jüngsten Fall handelt es sich nicht um eine erstmalige Sichtung, sondern um die nachträgliche Neubewertung eines schon vor längerer Zeit entdeckten Tiers: Bonner Forscher haben eine neue Waran-Art identifiziert, die aus dem Grenzgebiet von Iran und Irak stammt.

Die Spezies werde bis zu 1,20 Meter lang und komme nur in einem äußerst kleinen Gebiet entlang des Südwestrandes des Zagros-Gebirges im Iran vor, berichtete das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn. Es ist mit dem ein wenig größeren Wüstenwaran verwandt, der von der Sahara bis nach Zentralasien und Indien verbreitet ist.

Ehre, wem Ehre gebührt

ZFMK-Experte Wolfgang Böhme entdeckte den Waran in der Magazinsammlung des Zoologischen Museums in St. Petersburg. Dort lagerten seit 1914 drei Exemplare, die der russische Herpetologe P. V. Nesterov damals an der irakisch-iranischen Grenze gesammelt und offenbar auch schon als neu erkannt hatte, zu deren Beschreibung es aber durch die unruhigen Zeiten zwischen Oktoberrevolution und Zweitem Weltkrieg nicht mehr gekommen sei. In Ehrung Nesterovs erhielt die Spezies daher die Bezeichnung Varanus nesterovi.

Es stellte sich heraus, dass auch das amerikanische Nationalmuseum in Washington 1964 einen solchen Waran aus dem Südwest-Iran bekommen hatte, dessen Spezies-Zugehörigkeit aber ebenfalls nicht geklärt werden konnte. Auf Basis dieser vier Exemplare konnte Böhmes Team nun nachweisen, dass es sich tatsächlich um eine neue, noch unbeschriebene Art handelt.

Fast alle Merkmale des neuen Warans sind gegenüber seinen weit verbreiteten Verwandten ursprünglicher und deuten auf eine stammesgeschichtlich ältere Reliktform hin, so die Forscher. Das und der Umstand, dass die Spezies nur in einem kleinen - und noch dazu politisch brisanten - Gebiet vorkommt, erfordern besondere Bemühungen um ihren Schutz. (red, derStandard.at, 2.4. 2015)

  • Handle with care: Die neuidentifizierte Waranart Varanus nesterovi.
    foto: willi schneider

    Handle with care: Die neuidentifizierte Waranart Varanus nesterovi.

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