Was Programmiersprachen über ihre Benutzer verraten

19. April 2015, 16:50
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In der genutzten Sprache spiegelt sich die Kultur des IT-Konzerns wider, so Forscher

In welcher Sprache wir denken, beeinflusst, wie wir denken – sprachpsychologisch ist das unbestritten. Das gilt natürlich auch für Programmiersprachen: Wer eine formale Sprache beherrscht, stärkt sein logisches Denken. Das wurde bereits 1966 im legendären SciFi-Roman "Babel 17" angesprochen, in dem es um die gleichnamige fiktive Sprache geht. Wer diese beherrsche, könne "jede Situation mit technischer Exzellenz meistern", heißt es im Buch.

Facebook mit PHP

Das ist allerdings nicht das Ziel aller Programmiersprachen, deren Eigenschaften sich untereinander immens unterscheiden. Logischerweise beeinflussen sie dann auch, wie sich das Produkt für den einzelnen Endnutzer "anfühlt". Ein Beispiel ist etwa Facebook, das anfangs mit PHP (auf Windows XP) programmiert wurde. PHP ist wohl die "am wenigsten respektierte" Programmiersprache, wie das Technology Review schreibt. Denn: Bei PHP geht es vor allem darum, schnell zu einem Ergebnis zu gelangen. Trotzdem – oder gerade deshalb laufen bereits ein Drittel aller Webanwendungen auf PHP.

Schnell und schmutzig

Sogar dessen Erfinder, Rasmus Lerdorf, gibt an, wenig Ahnung von Programmiersprachen zu haben: "Ich wusste nicht, wie man eine Programmiersprache schreibt – ich habe einfach immer weitergemacht." PHP erlaubt es aber, eine Reihe von Features schnell zu entwickeln, ohne sich groß um strukturelle Probleme Gedanken zu machen. Darum ging es auch beim Aufbau von Facebook: Schnell fertig zu sein, halbwegs viele Features einzubetten. Demgegenüber stehen einzelne Dienste wie die Google-Suchmaschine, die nur eine Sache besonders gut können muss – und deshalb etwa auf Java oder C++ setzt.

Streng und mühsam

Manche Unternehmen nutzen noch strengere Sprachen: Beispielsweise OCaml, das von französischen Forschern entwickelt wurde. Es ist ein extrem vorsichtiges Programm, das den Code gewissenhaft überprüft und nicht anspringt, sobald Logikfehler vorhanden sind. Dadurch entstehen kaum Bugs – Programmierer müssen aber mathematisch versiert sein und detailgetreu arbeiten. Das ist etwa auf der Wall Street wichtig, wo Computerprogramme Transaktionen im Ausmaß von bis zu 30 Milliarden Dollar täglich durchführen. Mit Google Go versucht der Suchmaschinenkonzern ein ähnliches Konzept.

Erwachsen werden

Wie sehr sich die Kultur der jeweiligen Konzerne in der benutzten Programmiersprache widerspiegelt, ist dann wieder an Facebook selbst zu sehen: Irgendwann war klar, dass die Seite nicht mehr ausschließlich auf PHP funktionieren kann. Ein kompletter Neuaufbau wäre aber nahezu unmöglich gewesen. Deswegen entwickelte Facebook eine eigene Alternative: "Hack" kann PHP, aber theoretisch auch komplexeren Code. Plötzlich lautet Facebooks Motto "move fast, but with a stable infra". (fsc, 19.4.2015)

  • Die benutzte Programmiersprache sagt viel über das Unternehmen aus
    foto: apa/epa/christians

    Die benutzte Programmiersprache sagt viel über das Unternehmen aus

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