Ebola-Immunisierung mit nur einer Injektion möglich

2. April 2015, 11:11
10 Postings

Forscher der MedUni Wien fanden einen Weg, Antigene als "trojanisches Pferd" einzuschleusen - erste Ergebnisse sind vielversprechend

Ein auf dem "Vesicular Stomatitis Virus" (VSV) basierender Lebend-Impfstoff hat viel versprechende Ergebnisse für die rasche Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen das Ebola-Virus erbracht. Dieser Impfstoff müsste für eine nachhaltige Immunisierung nur einmal injiziert werden.

Das ist das zentrale Resultat einer internationalen, von der WHO koordinierten Studie, an der auch die MedUni Wien maßgeblich beteiligt war. Die internationalen Partner sind neben Wien und Lambaréné und einem Zentrum in Kenia noch die Unikliniken in Hamburg, Tübingen und Genf.

Ebola-Antigen als "trojanisches Pferd"

"In den VSV-Lebend-Impfstoff, wird ein Ebola-Glykoprotein vom Ebola-Stamm aus Zaire eingebaut", erklärt Michael Ramharter, Ko-Autor der Studie. Während VSV beim Menschen nur leichte Symptome verursacht, fungiert dieses Protein als Ebola-Antigen und ruft im Immunsystem die Bildung von Antikörpern gegen die Erkrankung hervor.

Diese Antikörper schlummern praktisch wie ein "trojanisches Pferd" im Körper, um das Ebola-Virus dann, wenn eine Ansteckung erfolgt ist, zu bekämpfen – mit Erfolg: "Mit einer einmaligen Impfung hat das bei ersten Versuchen bei Primaten zu einem hundertprozentigen Schutz vor Ebola geführt", sagt Ramharter.

Vielversprechende Ergebnisse

Im Rahmen der nun abgeschlossenen Phase I-Studie, deren Ergebnisse im Top-Journal "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden, wurden 138 Probanden und Probanden – gesunde Erwachsene – mit unterschiedlicher Dosierung des Lebendimpfstoffs geimpft.

Die Resultate sind vielversprechend: "Die Impfantwort ist sehr zuverlässig, die Impfung selbst ist sicher und die Verträglichkeit akzeptabel", fasst Ramharter zusammen. Als wesentlichste Nebenwirkung wurden bei einer kleinen Gruppe von Probanden vor allem in den europäischen Zentren vorübergehende Gelenksschmerzen und -entzündungen festgestellt.

Einsatz in betroffenen Ländern

In den nun folgenden Phase II-Studien soll der Impfstoff bereits bei Patient in den von Ebola derzeit am stärksten betroffenen Gebieten eingesetzt werden - vor allem in Guinea und Sierra Leone, aber auch in Liberia.

Vor rund 15 Monaten wurde der erste Ebola-Fall in Westafrika bekannt. Schätzungen zufolge haben sich seither rund 25.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 10.000 sind an den Folgen der schweren Erkrankung bisher gestorben. (red, derStandard.at, 2.4.2015)

  • Artikelbild
    foto: reuters/eddie keogh
Share if you care.