Sterbehilfe: Mehrheit kann sich Legalisierung vorstellen

2. April 2015, 10:37
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59 Prozent in Umfrage der Medizinuni Graz dafür, aber nur unter bestimmten Voraussetzung – Klare Mehrheit der Gegner für Straffreiheit

Wien/Graz – Eine Legalisierung der Sterbhilfe ist für die Mehrheit der Österreicher vorstellbar - wenn auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zu diesem Schluss kommt die Meduni Graz anhand einer aktuellen Umfrage unter 1.200 Personen. Demnach sprachen sich 59 Prozent dafür aus, 34 Prozent sind für ein grundsätzliches Verbot. Sieben Prozent waren unentschlossen.

Sterbehilfe nur bei "schwerem Leid"

Für die Befürworter käme Sterbehilfe allerdings nur in Frage, wenn "unerträgliches schweres Leiden ohne Aussicht auf eine Genesung" vorliegt und der "wiederholte Wunsch nach aktiver Sterbehilfe" geäußert wurde, erläuterte die Universität die Voraussetzungen für eine Legalisierung aus Sicht der Befragten. Jene, die für ein striktes Verbot sind, sprachen sich indes überwiegend für Straffreiheit bei besonders schwer leidenden Patienten aus. Nur drei Prozent dieser Gruppe traten für ein Verbot mit Bestrafung ein.

Wenig überraschend spielt die Religiosität für die persönliche Haltung zu diesem Thema eine große Rolle. Die Studie - die vom Land Steiermark gefördert wurde - brachte dabei einen "Religiositäts-Index" zur Anwendung. Das Viertel mit der "höchsten Religiosität" zeigte eine "Tendenz in Richtung eines strikten Verbots", schreibt die Uni in ihrer Aussendung - 55 Prozent votierten dafür. Bei jenen 25 Prozent, für die Religiosität überhaupt keine Bedeutung hat, überwiegt die Zustimmung zur Liberalisierung mit 80 Prozent deutlich.

Neue Methodik

Die aktuelle Umfrage wurde schriftlich – online bzw. auf Papier – durchgeführt, und ihre Ergebnisse unterscheiden sich teils deutlich von einer Studie aus dem Frühjahr 2014. Damals waren in persönlichen Interviews 47,5 Prozent für eine Legalisierung eingetreten, 37,5 Prozent für ein generelles Verbot. Im Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie erklärt man sich das mit der unterschiedlichen Methodik.

Bei einer schriftlichen Umfrage hätten die Befragten "entsprechend lange Zeit", sich die Antworten zu überlegen, hieß es auf APA-Anfrage. Umgekehrt könnte es in einer persönlichen Interviewsituation Vorbehalte geben, die eigene Position zu diesem heiklen Thema offenzulegen. (APA, 2.4.2015)

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