Jemen: Verwirrung um Landung ausländischer Soldaten in Aden

2. April 2015, 18:47
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Al-Kaida befreit bis zu 300 Häftlinge - Huthi-Rebellen erobern Präsidentensitz

Sanaa - Nachdem es am Donnerstag zunächst hieß, die Huthi-Rebellen hätten sich aus dem Zentrum der südjemenitischen Stadt Aden zurückgezogen, sind dort am Vormittag wieder heftige Kämpfe zwischen den Aufständischen und dem Militär ausgebrochen.

Nur wenige Stunden nach dem Vormarsch der Rebellen gingen im Hafen von Aden Dutzende Soldaten an Land, berichteten Augenzeugen und Mitarbeiter der Hafenverwaltung. Die Nationalität der Soldaten war zunächst nicht feststellbar. Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz, die seit einer Woche mit Luftangriffen den Vormarsch der Huthi-Rebellen zu stoppen versucht, kontrolliert jedoch nach eigener Darstellung die Gewässer rund um Aden.

Regierungsvertreter wiesen am Nachmittag Berichte über eine Landung ausländischer Bodentruppen im Hafen der südjemenitischen Stadt Aden zurück.. Zuvor hatte ein Hafenbeamter erklärt, bei den Soldaten handle es sich um Ägypter, die für die Evakuierung von Ausländern sorgen sollten. Anderen Angaben zufolge fur das Schiff, dem die Soldaten entsiegen, unter chinesischer Flagge.

Präsidentensitz erobert

Houthi-Rebellen haben nach Angaben von Sicherheitsbeamten am Donnerstag den Präsidentensitz in der südjemenitischen Stadt Aden erobert. Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi hatte sich im September dorthin geflüchtet, als die schiitischen Aufständischen die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa übernahmen, befindet sich mittlerweile jedoch schon in Saudi-Arabien.

Gefechte im Zentrum von Aden

Im Geschäftsbezirk Crater im Zentrum Adens, wo sich viele Geschäfte und die örtliche Filiale der Staatsbank befinden, würden die Huthi-Rebellen von gepanzerten Fahrzeugen und Panzern unterstützt, hieß es.

Die lieferten sich die Aufständischen am Donnerstag heftige Gefechte mit dem Militär und konnten den Bezirk gegen Mittag schließlich unter ihre Kontrolle bringen. Dabei seien mindestens 44 Menschen, darunter 18 Zivilisten getötet worden, hieß es von Sanitätern und aus Militärkreisen.

Ihr Ziel sei der Präsidentensitz. Das Viertel Chor Maksar, in dem sich mehrere ausländische Konsulate und UN-Büros befinden, kontrollieren sie bereits. Erstmals erreichten die Gefechte auf dem Boden am Donnerstag auch das Zentrum der Stadt.

Der demokratisch gewählte Präsident des Jemen, Abed Rabbo Mansur Hadi, war vergangene Woche aus Aden in die saudi-arabische Hauptstadt Riad geflohen. Die saudisch geführte Militärallianz will ihn wiedereinsetzen. Als wichtigster Unterstützer der Huthi-Rebellen gilt der schiitische Iran.

Al-Kaida-Führer befreit

Auch in anderen Teilen des Jemen kam es am Donnerstag zu Kämpfen. Im etwa 500 Kilometer von Aden entfernten Mukalla am Arabischen Meer stürmten mutmaßliche Kämpfer des Extremistennetzwerks Al-Kaida das Zentralgefängnis und befreiten nach Angaben aus Polizei- und Verwaltungskreisen 150 bis 300 Insassen, darunter auch Al-Kaida-Angehörige. Einer davon sei Khaled Batarfi, eine Führungsperson des Al-Kaida-Flügels auf der arabischen Halbinsel. Batarfi war vier Jahre lang in Mukalla inhaftiert. Zwei Gefängnisaufseher und fünf Häftlinge wurden den Angaben zufolge getötet.

Erstes saudisches Todesopfer

Im Süden Saudi-Arabiens ist am Mittwochabend ein Grenzwachebeamter getötet worden, als Unbekannte vom Jemen aus das Feuer auf ihn eröffneten. Zehn weitere Sicherheitskräfte seien am Grenzübergang Assyr durch die Schüsse verletzt worden, gab ein Sprecher des saudi-arabischen Innenministeriums am Donnerstag bekannt. Es handelt sich um das erste Todesopfer auf saudi-arabischer Seite seit Beginn der Offensive.

Russland fliegt Staatsbürger aus

Wegen der andauernden Kämpfe im Jemen fliegt Russland etwa 150 Bürger aus. Zwei Transportflugzeuge sollten noch am Donnerstag in der Hauptstadt Sanaa landen, teilte das Außenministerium der Agentur Interfax zufolge mit.

Russland appellierte mit Nachdruck an Saudi-Arabien, die Aktion zu unterstützen. Die Maschinen hätten bereits am Vortag landen sollen. Allerdings habe die Militärallianz das untersagt, hieß es. Russland evakuierte auch sein Generalkonsulat in Aden. Das Gebäude wurde Medien zufolge von Rebellen geplündert. (red, Reuters, APA, 2.4.2015)

  • Regierungstreue Truppen in Aden, 2. April 2016
    foto: ap/wael qubady

    Regierungstreue Truppen in Aden, 2. April 2016

  • Huthi-Rebellen bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Sanaa am Mittwoch.
    foto: ap/mohammed

    Huthi-Rebellen bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Sanaa am Mittwoch.

  • Ein Huthi-Kämpfer hält Wache an den Stadtmauern Sanaas.

    Ein Huthi-Kämpfer hält Wache an den Stadtmauern Sanaas.

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