USA: McDonald's beugt sich Druck und zahlt mehr Lohn

2. April 2015, 07:29
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Mit großer Zähigkeit haben die Mitarbeiter mehr Lohn erkämpft, es profitiert aber nur ein Teil davon

Los Angeles - Lange und mit großer Zähigkeit haben die Mitarbeiter des weltgrößten Burgerbraters McDonald's darum gekämpft, jetzt ernten sie die Früchte ihrer Ausdauer: McDonald's hat unter steigendem öffentlichem Druck eine Lohnerhöhung beschlossen. Die Neuregelung gilt zumindest für zehntausende Mitarbeiter in den USA. Ab Juli wird das Einstiegsgehalt einen Dollar über dem Mindestlohn des jeweiligen US-Bundesstaats liegen.

Bis Ende 2016 soll der durchschnittliche Stundenlohn von neun auf zehn Dollar (von 8,4 auf 9,30 Euro) steigen. Außerdem will der Konzern Angestellten künftig unter bestimmten Bedingungen bezahlte Auszeiten erlauben.

Kein Altruismus

Dass dahinter keine altruistischen Motive stehen, ist klar. Die Verbesserungen sind hart erkämpft. Der Fastfood-Konzern steht wegen seiner Arbeitsbedingungen schon lange in der Kritik, Mitarbeiter protestieren und streiken regelmäßig für höhere Löhne. Nachdem die US-Arbeitslosenrate kräftig gesunken ist und zuletzt auch andere Großunternehmen aus dem Niedriglohnsektor die Gehälter erhöhten, wurde der Druck auf McDonald's immer größer.

Der Branchenkenner Mark Kalinowski vom Analysehaus Janney Montgomery Scott sagte der "New York Times", ein McDonald's-Manager habe ihm kürzlich anvertraut, dass das Unternehmen die Löhne erhöhen müsse, um angesichts der verbesserten Arbeitsmarktbedingungen überhaupt die Angestellten halten zu können.

Konzerneigene Restaurants

Am Ende profitieren allerdings ohnehin nur Mitarbeiter in den konzerneigenen Schnellrestaurants. Da 90 Prozent der mehr als 14.300 US-Filialen von Franchise-Partnern betrieben werden, betrifft die Maßnahme nur etwa 90.000 von rund 750.000 Angestellten. Die mehr als 3.100 Franchise-Nehmer würden selbst entscheiden, betonte McDonald's.

Dafür gab es umgehend Kritik von der Washingtoner Denkfabrik Economic Policy Institute (EPI), die sich für die Rechte von Geringverdienern einsetzt. "Wenn McDonald's sich wirklich um seine Arbeiter kümmern würde, sollte es seine Franchise-Partner ermuntern, die Löhne zu erhöhen, oder das selber in den Franchise-Verträgen vorschreiben", teilte das EPI mit.

Zusätzlich zu Lohnerhöhungen und Urlaubsgeld plant der Konzern auch, Mitarbeitern Bildungsangebote zu unterbreiten. McDonald's will Angestellten beim Schulabschluss und auf dem Weg ans College zur Seite stehen und Englischkurse anbieten, falls die dies nicht die erste Sprache sei. Diese Angebote sollen aber auch für Mitarbeiter der Franchise-Partner gelten. Die Maßnahmen dürften bereits vom neuen Chef in die Wege geleitet worden sein. Nach seinem Amtsantritt im März hatte Steve Easterbrook in ungewohnt deutlichen Worten den Krisenmodus ausgerufen. Einen weiteren Imageverlust kann der international angeschlagene Konzern (der Österreich-Ableger hält sich vergleichsweise gut, Anm.) derzeit nicht gebrauchen. (APA, rebu, 2.4.2015)

  • Der Fast-Food-Konzern steht wegen seiner Arbeitsbedingungen schon lange in der Kritik. Mitarbeiter protestieren und streiken regelmäßig für höhere Löhne.
    foto: ap/lenninhan

    Der Fast-Food-Konzern steht wegen seiner Arbeitsbedingungen schon lange in der Kritik. Mitarbeiter protestieren und streiken regelmäßig für höhere Löhne.

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