Neuer Präsident Nigerias sucht Aussöhnung mit Rivalen

1. April 2015, 20:42
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Buhari: Abgewählter Jonathan habe nichts zu befürchten - Kriegserklärung an Boko Haram

Abuja - Nigerias künftiger Präsident Muhammadu Buhari hat nach seinem Wahlsieg einen harten Kampf gegen die Extremistenmiliz Boko Haram angekündigt und seinem politischen Gegner die Hand ausgestreckt. Dass in Nigeria erstmals demokratisch die Macht wechsele sei "wahrhaft historisch", sagte Buhari am Mittwoch in seiner Siegesrede. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte die Wahl zum "klaren Signal für die weitere Demokratisierung Nigerias" und lud Buhari nach Berlin ein.

Der 72-Jährige Muslim und einstige Putschist war am Samstag und Sonntag mit 2,57 Millionen Stimmen Vorsprung und einem Stimmenanteil von 54 Prozent zum Nachfolger des christlichen Amtsinhabers Goodluck Jonathan gewählt worden. Nach Verkündigung des Ergebnisses am Dienstagnachmittag strömten in Buharis Hochburgen abertausende Menschen auf die Straßen und feierten ihren Helden.

"Freie und faire Wahl"

"Unser Land hat sich nun der Gemeinschaft der Nationen angeschlossen, die die Wahlurne genutzt haben, um in freier und fairer Wahl einen Präsidenten zu wechseln", sagte Buhari bei einer Zeremonie in Abuja, bei der er offiziell zum Sieger gekürt wurde. Die formelle Machtübergabe ist für den 29. Mai vorgesehen.

Jonathan hatte seine Niederlage am Dienstag eingeräumt. Buhari rief seine Landsleute am Mittwoch auf, dem scheidenden Präsidenten zu seinem "staatsmännischen Format" zu gratulieren, er habe "nichts zu befürchten". Im Wahlkampf hatte Jonathan noch vor einer Rückkehr des Autoritarismus der 80er-Jahre gewarnt, sollte Buhari gewinnen. Der Sorge begegnete der Sieger mit einem klaren Versprechen: "Es wird nie wieder eine herrschende Partei geben. Wir werden niemals das Volk beherrschen, als wäre es gegenüber der Regierung unterwürfig."

"Vergangenheit überwinden"

Er hatte Jonathan vor der Wahl vorgeworfen, die Korruption im bevölkerungsreichsten Land Afrikas auf die Spitze getrieben zu haben. "Jetzt werden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gestärkt. Wir müssen die jüngere Vergangenheit überwinden, die alten Kämpfe und Kümmernisse vergessen und vorwärtskommen!"

Jonathan und Buhari stehen für die Spaltung des Landes in den christlich geprägten, ölreichen Süden und einen muslimischen Norden. So waren es auch vor allem die nördlichen Gebiete, in denen Buhari überragend siegte, allen voran der Staat Borno. Die Region leidet besonders unter der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram.

Den Extremisten erklärte Buhari am Mittwoch den Krieg: "Boko Haram wird bald die Stärke unseres gemeinsamen Willens und unserer Entschlossenheit kennenlernen, diese Nation von Terror zu befreien und den Frieden zurückzubringen", sagte er. "Wir werden keine Mühen sparen, bis wir den Terrorismus besiegen."

Sein Wahlsieg wurde international begrüßt. "Ich lade Sie herzlich zu einem Besuch nach Deutschland ein", schrieb Merkel an Buhari. Sie ermutigte den künftigen Präsidenten, "den demokratischen Wandel weiter zu festigen". Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einer "Signalwirkung für die Region und für ganz Afrika". UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete den friedlichen Machtwechsel als "Beweis für die Reife der Demokratie in Nigeria". Ähnlich äußerte sich US-Präsident Barack Obama. (APA, 1.4.2015)

  • Muhammadu Buhari, Wahlsieger
    foto: ap/alamba

    Muhammadu Buhari, Wahlsieger

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